2/15/2017

Totalschaden.

Grande - Totalschaden.
Ein Rotlicht nach dem anderen überfahren.
"You never know what is enough until you know what is more than enough." [William Blake]
Das rote Cabrio ist kaputt. Schrott. Totalschaden. Einfach gegen den Baum geknallt und ich hab es nicht kommen sehen. Der Tank war wohl auch fast leer, aber ich hab die Amaturen falsch gelesen. In den Kofferraum hatte ich noch gar nicht geschaut. Was auch immer da drin war: Jetzt ist es weg.



Vier Wochen ist das nun her und ich liege immer noch neben dem Wrack. Tränenüberströmt. Kann es einfach nicht begreifen. Es war doch so schön. Mein Traumauto. Das Modell, was nicht mehr gebaut wird. Ich hatte zwei Jahre gebraucht, um es zu finden. Mein zerstörter wahr gewordener Traum und ich. Vereint in einem Konglomerat aus Metall, Gummi, Leder, Plastik, Holz, Haut, Haar, Mensch.

Gestern habe ich mich endlich getraut es R. zu sagen. "Ich hätte Dir das niemals erlauben dürfen, " hat er durchs Telefon geschimpft. Aber das ist das Problem mit Menschen wie mir: Ich weiß genau was ich will und wenn ich es einmal bekommen hab, gibt es kein Zurück mehr.

Das Gaspedal voll durchgetreten. Ein Rotlicht nach dem anderen überfahren. Glücklich im Geschwindigkeitsrausch. Hemmungslos in der Endorphin-Ekstase. Kein Airbag, kein Sicherheitsgurt. Wie das bei so alten Karren halt ist. Beim Blick in den zertrümmerten Rückspiegel stelle ich fest, dass ich noch wesentlich abgefuckter aussehe als ich mich fühle.

Ob ich überlebt habe, kann ich nicht sagen. Ich weiß es im Moment einfach nicht.

Dann kommt doch noch der Krankenwagen. Das habe ich sicher wieder R. zu verdanken. Froh bin ich nicht darüber. Einer der Rettungskräfte deutet auf meinen demolierten Körper und fragt den Notarzt: "Was ist das?" Der antwortet überrascht: "Girl Anachronism." "So etwas habe ich noch nie gesehen", gibt der Sanitäter halb erstaunt, halb bewundernd zurück. "Steht heute nicht mehr in den Lehrbüchern. Gilt eigentlich als ausgestorben", erklärt sein Kollege, "aber diese Frau ist offensichtlich so verseucht, dass ihr Körper die Giftstoffe unaufhörlich selbst nachbildet um den Verlust auszugleichen. Dürfte sich um eine seltene Mutation handeln."

Sie heben mich hoch, legen mich auf die Bahre, fixieren meine Arme und Beine. Wahrscheinlich wirke ich gefährlich in meinem entrückten Zustand. Ich lasse es mit mir geschehen. Merke, wie meine Augen langsam zufallen, als das Schmerzmittel wirkt. Mit letzter Kraft flüstere ich: "Ich wäre jetzt bereit in den Helikopter umzusteigen."

Aber niemand hört mich.

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