7/27/2016

Meine letzten Worte.

Grande - Pierre Derange - Tot oder lebendig?

"Meine letzten Worte: Dachte immer, ich sei die verpasste Chance, aber vielleicht hat es nie eine gegeben." Es klopft an der Tür. "Grande, Du musst runterkommen. Die Polizei braucht Deine Hilfe", höre ich C.s Stimme besorgt vor der Tür. But all my tears have been used up... on another love, hackt Tom Odell ins Klavier.  Langsam stehe ich auf, hebe den schweren Samtvorhang zur Seite, schaue aus dem Fenster. Aha. Da liegt also jemand auf der Straße. Um diese Person herum jede Menge Blaulicht. Sind ja genau zum richtigen Zeitpunkt hier.

Mit dem Cocktail-Glas in der Hand stehe ich vor dem Beamten, der hier scheinbar das Sagen hat. Meine Augen rollen einmal quer durch den Kopf und zurück. "Was?", frage ich angestrengt. "Bei uns gingen mehrere Notrufe ein. Man sagte, hier würde eine Leiche liegen. Scheint Selbstmord zu sein. Wir haben jedenfalls bisher keine Hinweise auf Fremdverschulden finden können. Scheint sich um einen Blumenboten zu handeln. Die kommen ja öfter bei Ihnen vorbei, sagt man." Ich brauche unbedingt mehr zu Trinken. 

"Da für die Bevölkerung keine akute Gefahr besteht, wende ich mich nun an Sie. Die von uns gefundene Person liegt auf einem Straßenabschnitt, der zu Ihrem Grundstück gehört. Aus bisher nicht geklärten Gründen kann unser Arzt nicht feststellen, ob die Person tot oder lebendig ist. Laut Gesetz ist es nun Ihre Entscheidung, wie sie mit dem Fundstück verfahren." I wanna sing a song that'll be just ours, but I sang 'em all to another heart.

Verdammt, ich konnte die Polizei noch nie leiden. Skeptisch trete ich an die vermeintliche Leiche heran. "Sieht aus wie Schockstarre", murmele ich in Richtung des Beamten, "aber sehr schön." Wo hatte ich dieses Bild zuletzt gesehen? Im Internet, in Paris im Museum, in meinem Kopf? Gab es da nicht eine alte Geschichte? Wie war das doch gleich... "Sehr schön. Sehr, sehr schön." Ich sehe das Blaulicht in seinen Augen. Nein, es wäre falsch ihn hier zurückzulassen. Etwas ist mit diesen Augen. Die sehen ein bisschen irre aus. 

Ich mache ein Polaroid für meine Memoiren. Dieses Ereignis muss unbedingt noch mit in das Buch. Ohne Aufzuschauen strecke ich meine rechte Hand aus: "Stift bitte." Hastig fließt es aus mir heraus: "Meine letzten Worte, bevor etwas Neues beginnt: Ich mag meine Jungs wahnsinnig und schön, meine Hotels alt und zerrissen, zusammen hängen wir auf einem Gemälde im Louvre, in einer unendlichen Umarmung klebend."

Zufrieden steuere ich auf die Polizeiwagen zu: "Ihr könnt abhauen, ich kümmere mich um ihn. Und sagt den hässlichen Typen, die sich mit ihren Fotoapparaten im Gebüsch verstecken, dass es hier bald richtig viel zu sehen gibt." Ich grinse, sie ziehen ab. Der Fremde liegt weiter reglos da. 

"Was ist mit Deinem neuen Beau?", fragt C., mein Bodyguard-Schrägstrich-Fahrer. "Liegt da drüben auf dem Asphalt." "Nehmen wir ihn mit?" "Selbstverständlich, hol schon mal den Wagen." "Gern." Mein Telefon klingelt. Nummer unterdrückt. Aber ich weiß doch eh wer dran ist. "Grande speaking." Die vertraute Stimme: "Eine letzte Frage: Ist er noch tot oder lebt er schon?"

Grande - Pierre Derange - Tot oder lebendig?
Grande - Pierre Derange - Tot oder lebendig?
Grande - Pierre Derange - Tot oder lebendig?
Grande - Pierre Derange - Tot oder lebendig?
Model: Pierre Derange

No comments:

Post a Comment

Google