2/14/2016

Special: Pretty when you cry.

Grande - Pretty when you cry

Ich lernte Rob zehn Tage vor meinem 27. Geburtstag in einem Londoner Pub kennen. Wie das so ist, wenn man als Frau in England allein in einer Kneipe sitzt. Eigentlich war ich schon viel zu früh am Nachmittag da. Aber ich hatte nur noch Geld für ein Bier und wusste nicht, wo ich sonst hingehen sollte.  


Meine letzte Beziehung hatte ich in Deutschland zurückgelassen. Ich fragte mich nun was aus mir werden sollte und vor allem wie ich den ganzen Abend mit nur einem Getränk rumkriegen würde. Ich liebte dieses Pub, denn die Musik dort war immer besonders. 

Fast jeden Tag spielten dort Bands, die alle so gut und so spannend waren, dass man förmlich spürte, dass hier das nächste große Britpop-Ding in der Luft lag. Damals waren auch viele Talentscouts in Camden und Kentish Town unterwegs.

Das war zu der Zeit als Amy Winehouse noch dort wohnte und ich glaube, ich hab sie in dieser Nacht auch Arm in Arm mit einem Typen die Straße langgehen sehen. Aber sicher bin ich mir nicht, ich konnte sie nicht richtig erkennen. 

Jedenfalls sitze ich selbstvergessen im hinteren Teil des Pubs und schreibe in mein Notizbuch: "Überall läuft schöne Britpop-Musik, es ist wie im Film." Ein Typ kommt vorbei und lächelt mich an, ich schaue freundlich zurück, wie man das in England halt macht.

Nach einer Weile kommt er wieder vorbei und fragt, ob ich noch ein Bier will. Dankend nehme ich an und wir setzen uns an die Bar. Er sagt mir, dass er Rob heißt und aus L.A. kommt. Ha, dachte ich's mir doch, der sieht gar nicht britisch aus. Er arbeitet hier in London bei einer Software-Firma, aber er will bald wieder zurück nach California. Dort baut er Gitarren. Wir reden ein bisschen über Gitarre spielen und über Courtney Love, die er zwar ok findet, aber sie sei nun doch einfach nur noch eine "old hag". 

Ich erzähle ihm von meiner Musik und dass nun alles vorbei ist und ich nicht weiß, was ich jetzt machen soll. Dass ich kein Geld mehr habe und hier niemanden kenne. Er sagt, ich soll mit zu ihm kommen. Er hat eine große Wohnung in Hampstead Heath und verdient mehr Geld als er brauchen kann. Wenn ich bei ihm übernachte, kann ich morgen seinen Computer haben während er arbeiten ist. Worüber sollen wir uns denn die nächsten Tage unterhalten, frage ich ihn. "I can barely speak English!" Wenn du das sagen kannst, kannst du Englisch, meint er.

Hampstead Heath, das ist wo die Reichen leben: Liam Gallagher, Sienna Miller, Jude Law, Sting, Kate Moss, Elton John. Ich bin früher oft mit dem Bus dort lang gefahren und habe mich gefragt, wie es hinter den unscheinbaren Hauseingängen aussieht. Da wohnt er also?

Die erste Band spielt, Freunde von Rob. Das ist auch der Grund, warum er heute hier ist. Der Sänger erinnert mich an Jack White, ich bin begeistert. Rob fragt, ob ich draußen einen Spliff mit ihm rauchen will. Ich lehne ab und zeige ihm mein Zigaretten-Etui. 

Plötzlich holt er ein Buch aus seiner Jacke: die Biografie von Charles Manson. Der interessiert mich zwar, aber ich frage mich, ob es wirklich eine gute Idee ist, mit zu einem fremden Typen zu gehen, der die Biografie von einem Massenmörder mit sich herumschleppt. 

Gegen 23 Uhr kommen zwei Frauen zu uns und Rob stellt sie als seine Mitbewohnerinnen vor. Sie sind unglaublich hübsch und ich komme mir irgendwie überflüssig vor. Kurz nach Mitternacht macht das Pub zu und ich kann es nicht fassen. Es gibt doch keine offizielle Sperrstunde mehr oder? In Deutschland geht die Party vor 1 Uhr ja gar nicht erst los.

Ich bin immer noch nicht wirklich davon überzeugt mit in die Wohnung von Rob zu gehen und schlage vor, einfach noch eine Kneipe aufzusuchen. Allerdings werden wir auch dort nach einer halben Stunde rausgeschmissen. Ich schimpfe, dass man sich in England nicht mal anständig betrinken kann.

Draußen sind -10°C, ungewöhnlich kalt für London im Januar. Rob fragt noch mal, ob ich nicht mit zu ihm kommen will. Mir ist kalt, ich bin betrunken und traurig, wenn ich an Germany denke, also sage ich ja. Was folgt ist der Film "9 Songs" im Schnelldurchlauf. Statt in neun Monaten erleben wir halt alles in neun Tagen. Rob bringt mich zum Lachen und zum Heulen. Aber nur aus Spaß. "You look so pretty when you cry", sagt er immer wieder. Ich fühle mich gut. Die Musik, die Leute, die Stadt - alles ist großartig. 

Am 10. Tag sind wir für den Abend vor der "Underworld" verabredet. Eine Heavy Metal-Band sollte dort spielen. Ich hab Rob gesagt, dass ich nicht drauf stehe, aber wenn es ihm so sehr gefällt, würde ich mitgehen. Wir wollten uns vor dem Venue treffen, er würde direkt von der Arbeit hinkommen. Eine Stunde lang warte ich. Immer wieder ziehen unbekannte Leute an mir vorbei, fragen mich, ob ich ein Ticket zu verkaufen habe. Ich beginne an mir zu zweifeln. Ob ich Rob übersehen hab? Vielleicht ist er schon rein gegangen? Ich rufe ihn an, er geht nicht ans Telefon. Enttäuscht und von der Kälte erschöpft gebe ich 20.30 Uhr auf.

Ich fahre zu der Wohnung in Hampstead, keiner macht auf. Das Licht ist aus. Ich wähle erfolglos seine Nummer. In meiner Verzweiflung gehe ich in das Pub, in dem wir uns kennengelernt haben. Ich weiß es ist bescheuert, aber ich will sehen, ob er da ist. Oder jemand von seinen Freunden. Keiner kommt. 

Am nächsten Morgen geht mein Flug zurück nach Deutschland. 

Grande - Pretty when you cry
Grande - Pretty when you cry
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Grande - Pretty when you cry

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