6/25/2015

Inspiration: Luxury Goth Fashion.

Luxury Goth Fashion - Grande
Luxury Goth Fashion made in Berlin: Fragment SS15 





















Wie jede Subkultur ist auch die Gothicszene nicht vor etablierten Modedesignern sicher - was allerdings als Bereicherung und nicht als Bedrohung gesehen werden sollte, denn nur durch den Austausch von Ideen kann sich eine Ästhetik weiterentwickeln.

In Berlin stechen seit einiger Zeit drei Labels auf diesem Gebiet heraus: Marina Hörmanseder, Augustin Teboul und DSTM (vor allem im Bereich Unterwäsche).

Außerdem passt die aktuelle Sommerkollektion von Fragment extrem gut in diese Reihe. Speziell die Kleider, Blusen und Röcke sind von viktorianischer Trauermode inspiriert und im Detail mit original Vintage-Knöpfen versehen, was den Stücken einen sehr edlen Touch verleiht.

Luxury Goth Fashion - Grande
Fragment SS15
Luxury Goth Fashion - Grande
Fragment SS15
Luxury Goth Fashion - Grande
Fragment SS15

Die Wiener Designerin Marina Hörmanseder arbeitet inzwischen von Berlin aus und ist für ihre Lederkreationen zwischen Orthopädie-Fetisch und ausgezeichneter Handwerkskunst bekannt. Sie bringt zusammen, was bisher nicht zusammengehörte: Ihre Kollektionen bestechen durch das unerwartete Zusammenspiel dominanter Elemente wie medizinischer Stützkorsetts und weicher, fließender Stoffe. Dadurch entsteht ein Bruch in der Ästhetik, der angenehm aufregend auf den Betrachter wirkt. Wenn sie sich so rasant weiterentwickelt wie bisher, dürfte Hörmanseder in einigen Jahren die wirkliche Erbin von Alexander McQueen sein (bei dem sie übrigens auch ein Praktikum absolvierte).

Die aktuelle Sommerkollektion wurde durch die für Ledermode ungewöhnliche Farbgebung in Lachs und Pastellblau auch für den roten Teppich interessant. Besonders hervorgehoben seien an dieser Stelle aber die Kleidungsstücke für den Edward Scissorhands 2015-Look.

Luxury Goth Fashion - Grande
Marina Hörmanseder SS15
Luxury Goth Fashion - Grande
Marina Hörmanseder SS15


Augustin Teboul ist ein deutsch-französisches Design-Duo, welches in den letzten Jahren der einzige Lichtblick auf der Berlin Fashion Week war (jetzt gibt es ja zusätzlich Frau Hörmanseder, ha!). Das Label steht für einen tiefsinnigen, dunkel-romantischen Stil aus detailverliebten Strickereien und Stickereien. Bis auf wenige Ausnahmen stellen Augustin Teboul ausschließlich Mode in Schwarz vor.

Besonders auffällig ist der Detailreichtum ihrer Kreationen. In aufwendiger Handarbeit entstehen die exklusiven Verstrickungen, welche dem Körper oftmals eine surreale Form zu geben vermögen. Das Spinnennetz wurde nie schöner gewoben und immer wieder neu interpretiert.

Luxury Goth Fashion - Grande
Augustin Teboul SS15 (fotografiert von Stefan Milev)



Luxury Goth Fashion - Grande
Augustin Teboul SS15 (fotografiert von Stefan Milev)
Luxury Goth Fashion - Grande
Augustin Teboul SS15 (fotografiert von Stefan Milev)

Auch seit Jahren etablierte, internationale Avantgarde und - Überraschung! - Mainstreamlabels leisten immer wieder sehenswerte Beiträge zur Gothic-Ästhetik. Beinahe alles, was es aus der aktuellen Givenchy-Kollektion vom Laufsteg in die Geschäfte geschafft hat, fällt darunter. Als Ausblick in die Zukunft sei hier die AW15/16 Kollektion von A.F. Vandevorst erwähnt, welche vor und hinter Plastikfolie präsentiert wurde.

Hier noch ein paar aktuell verfügbare Beispiele aus den Onlineshops:

Luxury Goth Fashion - Grande
Linke Seite: 'Maze' Kleid von Iris van Herpen
Rechte Seite: Crop-Top von KTZ
(gesehen bei Farfetch)
Luxury Goth Fashion - Grande
Linke Seite: Kniehohe Lammledersocken von A.F. Vandevorst
Rechte Seite: Robe mit Rüschen & Schleifenkragen von Givenchy
(gesehen bei Farfetch)
Luxury Goth Fashion - Grande
Linke Seite: Tanktop aus Lackleder von Givenchy
Rechte Seite: Minirock mit Ösen von Mugler
(gesehen bei Net-A-Porter)
Luxury Goth Fashion - Grande
Linke Seite: Maxikleid aus Spitze von Masion Martin Margiela
Rechte Seite: Gerüschter Maxirock von Lanvin
(gesehen bei Net-A-Porter)
Luxury Goth Fashion - Grande
Linke Seite: Bustier-Oberteil von Gareth Pugh
Rechte Seite: Minirock von J.W. Anderson
(gesehen bei LuisaViaRoma)
Luxury Goth Fashion - Grande
Linke Seite: Korsett-Kleid und Body von Givenchy
Rechte Seite: Kleid mit Satinriemen von Balmain
(gesehen bei LuisaViaRoma)

Am spannendsten ist allerdings die Frage, wer diese Mode eigentlich trägt. Die Gothic-(Sub-)Kultur definiert sich zwar zu einem entscheidenden Teil über Äußerlichkeiten und gibt auch gern Geld dafür aus, allerdings dürfte das Einkommen für Designermode dann doch nur in den seltensten Fällen reichen.

Außerdem herrscht eine über die Jahre gewachsene Markentreue gegenüber bestimmter Szeneläden vor, auch wenn dort nur austauschbare Ware auf H&M-Niveau angeboten wird. Hinzu kommt, dass sich die DIY-Ästhetik, aus der die Szene geboren wurde, bis heute einigermaßen erhalten hat. Deshalb sind auch die hier gezeigten Beispiele nicht unbedingt als Kaufanregung sondern eher als Horizonterweiterung zu verstehen.

Wenn man sich in den großen westlichen Metropolen umschaut, sieht man diese Kleidung eher in einem Editorial eines Modemagazins als an Menschen auf der Straße oder bei Events. Ausgenommen sind Partys der Modebranche in New York, London und Paris. Dort geht es aktuell recht fetischlastig zu.

Jedoch davon abgesehen, dass diese Outfits bei Mainstream-Stars, die für gewöhnlich ein anderes Image pflegen, schnell kostümhaft wirken, liebt die Boulevardpresse diesen Look einfach nicht. Eine absurde Aufregung ging durch die Medien, als Gwyneth Paltrow bei den Oscars 2002 in dem halbtransparenten Alexander McQueen-Kleid erschien. Damit hat sie es (zu Unrecht) für immer auf alle Worst Dressed-Listen dieser Welt geschafft.

Einzig Sängerin Lorde lässt man das dauerhafte Grufti-Styling durchgehen, wahrscheinlich einfach weil sie noch nie etwas anderes gemacht hat und den Redakteuren aufgrund ihres Erfolges nichts anderes übrig bleibt.

UPDATE: Weil das i-D Magazine Gedanken lesen kann, gibt es hier als visuelle Weiterführung noch die 10 größten Goth-Momente auf dem Laufsteg.

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