3/21/2015

Ausstellung: Guy Bourdin Image Maker - Werbung, die verführt.

Guy Bourdin - Image Maker
Werbung ist hässlich. Werbung nervt. Werbung wird von Idioten gemacht. Für Idioten.
Ich hasse aufdringliche, dämliche Werbung. Mach das weg, lass mich in Ruhe, ich will das nicht sehen.

Als ich die Ausstelung "Image Maker" über den französischen Fotografen Guy Bourdin betrete, wundere ich mich über den scheinbar banalen Titel. "Bildermacher" - ernsthaft jetzt? In den nächsten zwei Stunden gelingt es den Kuratoren vom Somerset House aber, mich auf ganz sanfte Weise daran zu erinnern, was gute Werbung ist.

Die Verführung ist so perfekt, dass ich am Ende froh bin, ein Stück aus der limitierten Kosmetiklinie, die in Zusammenarbeit mit Nars entstanden ist, kaufen zu dürfen. Auch wenn ich den Preis erst an der Kasse erfahre. Ein weiterer Beweis für das gelungene Konzept.

Was macht diese Bilder so besonders? So anders als übliche Werbefotografien? Ist es die Technik, die Modelle, die Inszenierung?

Vor allem sind es drei Stilelemente, die eine typische Bourdin-Aufnahme prägen.

Hollywood-Filme

Bourdin hatte ein durch das alte Hollywood geprägte Gespür für das Erzählen einer Geschichte. Er erzeugte eine Spannung in seinen Fotos, deren besonderer Reiz darin besteht, dass sie nicht aufgelöst wird. Dem Suspense-Begriff von Hitchcock folgend, bediente er sich auch an dem von ihm geprägten "MacGuffin" und wandte dieses Konzept auf den Verkauf von Schuhen an. Eines der bekanntesten Beispiele für diese Stilmittel dürfte der Koffer in Pulp Fiction sein.

Droste-Effekt

Aus der Werbeindustrie lieh er sich den 1904 bekannt gewordenen Droste-Effekt, auch bekannt als "Mise en abyme". Damit bezeichnet man ein Bild, das sich selbst als Bild enthält (und somit immer wiederkehrt). Der Name Droste-Effekt geht auf eine niederländische Werbung für Kakaopulver zurück. Heute kennt man den Erscheinung auch von dem Käse mit der lachenden Kuh.

Konvulsivische Schönheit

Das ist der spannendste Teil an Bourdins Kunst. Ganz offensichtlich sind seine Bilder stark im Surrealismus verhaftet. Im speziellen wird fast jedes seiner Werke dem Begriff der "konvulsivischen Schönheit" gerecht. Grob gesagt bezeichnet man damit ein im Surrealismus geprägtes Verständnis von Schönheit, welches nicht dem traditionell-bürgerlichen Schönheitsverständnis entspricht. Gemeint ist z.B. die Abbildung eines Gegenstandes, die auf den ersten Blick verstörend wirkt und den Betrachter anschließend nicht nur intellektuell anspricht, sondern auch auf körperlicher Ebene begeistert.

Eine gute Darstellung des Begriffs findet sich in dem Buch "Kunst des Surrealismus"; die entsprechende Textstelle ist hier über Google Books verfügbar. Sehr interessant ist auch der dort dargestellte Zusammenhang zur Hysterie.

Ich bin mir nicht sicher, ob die Idee der konvulsivischen Schönheit heute noch von großer Bedeutung ist, da der Schönheitsbegriff mittlerweile so vielgestaltig ist, dass man wirklich alles darunter verstehen kann. Jeder findet etwas anderes schön, Schönheit liegt im Auge des Betrachters, Schönheit ist was du draus machst. Auch wenn man an dieser Stelle argumentieren kann, dass es einige wenige Vorstellungen von Schönheit gibt, auf die sich ein Großteil der (westlichen) Bevölkerung geeinigt hat, so gibt es aber auch kein einziges und absolutes Schönheitsideal mehr.

Von daher fällt es mir schwer, den "verstörenden" bzw. "Würgereiz" auslösenden Anteil der Bilder überhaupt noch als diesen wahrzunehmen. Ganz im Gegenteil: Ich verstehe bestimmte Dinge besser, wenn sie fetischisiert dargestellt werden. Es sind kleine Details, die Dinge hervorheben, anders wirken lassen, auf eine positive Weise anreizen, den Körper in Schwingungen versetzen, die man nicht deuten kann.

Dieses gewisse "Hm", was im Kopf hängen bleibt, während sich der Mundwinkel im Einklang mit der Augenbraue kurz süffisant nach oben zieht und Dich in einen Tagtraum abgleiten lässt. Wenn die Nerven auf eine ganz basale Weise - aber doch im Unterbewusstsein - stimuliert werden, spürt man das körperlich eher, als man es im Kopf versteht.

So entstehen die Bilder, die Du nie mehr vergisst.


Guy Bourdin - Image Maker
Guy Bourdin - Image Maker
Guy Bourdin - Image Maker
Guy Bourdin - Image Maker

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