4/06/2014

Ausstellung: Tate Modern Gallery, London.

Tate Modern Gallery - London



Meine Schlafmaske ist klitschnass. Bin ich etwa im Schlaf ertrunken, weil ich die ganze Nacht geheult habe? Ach nein, das ist nur meine Allergie. Ein Blick auf's Telefon zeigt mir 3 missed calls von letzter Nacht. Die Nummer war unterdrückt, aber ich kann mir schon denken, wer angerufen hat. Zum Glück bin ich nicht rangegangen.

Es hat auch keinen Sinn jetzt noch zurückzurufen. Ich kenne das Szenario. Was auch immer gestern gebrannt hat, ist heute erloschen. Es fühlt sich scheiße an, das Symptom einer Krankheit zu sein. Neben mir liegt die wohltuende Stimme. "Ich muss jetzt los, mich mit meinen Therapeuten treffen", sage ich monoton. "?" "Ja, es sind mehrere. Wartest du hier auf mich?"

Ohne die Antwort abzuwarten mache ich mich auf den Weg. In der U-Bahn höre ich Eminem zu. I like him. Er ist total geistesgestört, aber er macht was draus. Ach, ich mag komplizierte Menschen. Besonders, wenn sie zur Komik neigen. Ironisiertes Hassen. Hört sich gut an. Bringt mich zum Lachen. Dann wünsche ich mir oft, auch so treffende Zeilen formulieren zu können. Aber wirklich herausragend ist seine Fähigkeit zur Selbsterkenntnis und zum Perspektivwechsel. Auch wenn es manchmal erst ein paar Alben später kommt. Everybody knows that your just an asshole, so don't pretend to be nice...

Seine Akte aus der Rehab würde mich interessieren. Das ist wie mit den letzten Alben von Marilyn Manson. Wenn er nicht gerade singt: "I hate you and I will rape you to death you pig", heißt es: "Ich bin so widerlich, bitte bestraf mich für meine Abartigkeit." Relationships, not really their area. Das Spannungsfeld zwischen disgust und desire begeistert uns, füllt Lagerhallen mit Kunstwerken von unschätzbarem Wert. Gemessen an Eminems Plattenverkäufen ist ein Großteil der Gesellschaft von diesen Affekten und den daraus resultierenden Verirrungen befallen. Es regnet double-bind Aussagen. Ich kann mir aussuchen, welche Wahrheit ich glaube, es ist eh jeden Tag eine andere.

Neben dem Ertrinken habe ich letzte Nacht noch etwas anderes geträumt. Ich muss mit jemandem darüber sprechen und meine Gedanken ordnen. Unfinished business. In meinem Traum habe ich Dir wieder eine Postkarte geschrieben. Ohne Inhalt. Kein Text. Ein weißes Blatt Papier mit Deiner Adresse drauf. Freud möchte jetzt rumsymbolisieren. Er sagt: "Dir fehlen die Worte, meine Gute."

Ein Leser hatte neulich geschrieben, es sei die Feigheit, die aus mir spricht. Mein alter Therapeut war der selben Meinung. Aber der hatte keine Ahnung. Die meisten Therapeuten besitzen die falsche Arroganz zu glauben, sie wüssten wie die Menschen ticken, weil sie schon Mal einen ähnlichen Fall hatten. Dabei haben sie keinen blassen Schimmer, wer vor ihnen sitzt. Mache nie den Fehler, dein Gegenüber zu unterschätzen.

Der Leiter einer Psychiatrischen Station hat mir einmal im Vertrauen gesagt: "Das wollen viele meiner Kollegen zwar nicht wahrhaben, aber es ist nicht immer eine psychische Störung. Manche Menschen sind einfach nur böse und faul." Anyway, ich bin mir nicht sicher was letzte Nacht eigentlich passiert ist. Ich weiß noch, dass ich den Junkie Love-Umschlag zur Seite gelegt hatte, weil ich dachte, ich sei besser als das. Ich brauch das nicht mehr.

Ich habe entsagt, ich mache alles anders als der süchtige Pöbel, ich bleibe sauber, andere sollten sich ein Beispiel an mir nehmen, ich bin Super-Grande.

Ha, wie einfältig von mir. Kann es vielleicht doch sein, dass ich an dem Papier geleckt habe und meine feuchten Augen das Resultat einer ekstatischen Nacht waren? Oder war es der pure Angstschweiß auf meinem Gesicht? Die Angst erwischt zu werden. Meinen eigenen Idealen nicht stand halten zu können.

Das Über-Ich kann schon 'ne Bitch sein.

Meine Therapeuten für heute heißen Picasso, Dalí und Schad. Turner mag ich auch. In seinen Bildern kann man sich so gut verlieren. Mein Lieblings-Abschnitt in der Tate Modern Gallery ist der Dream and Surrealism-Raum. So kann ich Dinge, die mich beschäftigen, in eine neue Perspektive rücken. Und wo lässt sich besser Traumforschung und -deutung betreiben als zwischen den besten Surrealisten der Welt?

Ich beginne mit Andrea Fraser. Ihre Installation 'Projection' stellt eine Therapiesitzung nach, in der man abwechselnd die Sicht des Klienten, des Analytikers und natürlich des Voyeurs einnimmt. Guter Start. Ich beginne zu verstehen. In vier Stunden arbeite ich mich durch Krieg, Zerstörung, unterdrücktes Verlangen, Anziehung, Reiz, Ekel, Terror, Vorstellungskraft, mein Unterbewusstsein. Das Puzzle setzt sich langsam zusammen.

Mittags gönne ich mir eine Pause auf der Terrasse. Genieße den Blick über die Stadt. Diese gigantischen Glassplitter im Bankenviertel würde ich gern mal von innen sehen.

Zurück in meinem Kopf wandele ich über Glasscherben, Stecknadeln und Nägel, bleibe fast am Stacheldraht hängen. Wer, wie, was, wieso, weshalb, warum, nicht? Bis ich bei erwähntem Turner Entspannung finde. Ich falle auseinander und setze mich wieder zusammen. Während ich im Dunkeln auf der Millennium Bridge rüber nach St. Paul's laufe, kommt mir eine Vermutung.

It wasn't a drug. Die Nacht war super. Und dann hat das Über-Ich reingekickt und aus etwas Harmlosem ein unbezwingbares Monster gemacht. Sabotage.

Tate Modern Gallery - London
Tate Modern Gallery - London
Tate Modern Gallery - London
Tate Modern Gallery - London
Francis Picabia - Otaiti (1930) - Oil paint and resin on canvas
"The central female figure with full red lips and curving body may relate to images of glamorous pin-ups
which Picabia later used as the basis for a series of kitsch nudes."
Tate Modern Gallery - London
Paule Vézelay - Curves and Circles (1930) - Oil Paint on canvas
"The rounded forms and calligraphic markings [...] give the immpression of floating in an
atmospheric, even cloudy space." 
Tate Modern Gallery - London
Pablo Picasso - Weeping Woman (1937) - Oil paint on canvas
"One of the worst atrocities of the Spanish Cicil War was the bombing of the Basque town of Guernica
by the German airforce, lending their support to the Nationalist forces of General Franco.
Picasso responded to the massacre by painting the vast mural Guernica [...]"
Tate Modern Gallery - London
Julian Trevelyan - Bomblet (1937) - Metal, clay, wood and perspex
"Trevelyan was living in Paris in the early 1930s when the Surrealists began to explore the idea of the
Surrealist object, which appeared to embody hidden or repressed desires."
Tate Modern Gallery - London
Tate Modern Gallery - London
Lucas Samaras - Box (1963) - Mahagony box, wool, steel pins, glass and acetat film
"His boxes frequently contain both soft and sharp materials. Here shards of glass repel and attract."
Tate Modern Gallery - London
Tate Modern Gallery - London
David Alfaro Siqueiros - Cosmos and Disaster (c. 1936) -
Duco, Pyroxilin, sand, wood on copper mesh over plywood

"The apocalyptic vision reflects Siqueiro's despair at the outbreak of the Spanish Civil War."
Tate Modern Gallery - London
Tate Modern Gallery - London
Alberto Giacometti - Hour of the traces (1930) - Plaster, wood and steel
"This fragile construction suggests the mystery of the unconscious, combing space and time, eroticism
and death. The cage liek structure supports delicate organic forms. The upper shapes have been seen
as skeletal or phallic, while the lower suspended form has been interpreted as a beating heart or
a clock's pendulum."
Tate Modern Gallery - London
Max Ernst - Forest and Dove (1927) - Oil paint on canvas
"Forests appear frequently in Ernst's works and recall his feelings of teh 'enchantment and terror' of the
woods near his childhood home. Forests are a pontent symbol in German traditon, and were also
by the Surrealist group as a metaphor of the imagination."  
Tate Modern Gallery - London
Salvador Dalí - Metamorphosis of Narcissus (1937) - Oil paint on canvas
"When this painting was first exhibited it was accompanied by a long poem by Dalí. Together, the words
and the image suggest a range of emotions triggered by the theme of metamorphosis, including anxiety,
disgust and desire." 
Tate Modern Gallery - London
Tate Modern Gallery - London
Tate Modern Gallery - London
Tate Modern Gallery - London
Christian Schad - Self-Portrait (1927) - Oil paint on wood
"A narcissus, indicating vanity, leans towards the artist. The woman's face is scarred with a freggio,
inflicted on Neapolitan women by their lovers to make them unattractive to others. It is a startling emblem
of the potential violence underlying male possession of the female body."
Tate Modern Gallery - London
Tate Modern Gallery - London
Tate Modern Gallery - London
Christian Schad - Agosta, the Pigeon-Chested Man, and Rasha, the Black Dove (1929) -
Oil paint on canvas

"The black woman and the pigeon-chested man where accustomed to scrunity, earning their living as
sideshow acts in Berlin funfairs. Unusually this unsettling portrayal of the objectification of the body,
voyeurism and social alienation is focussed on the male as well as the female nude."
Tate Modern Gallery - London
J.M.W. Turner - Yacht Approaching the Coast ( c. 1840-5) - Oil paint on canvas
"Dark shapes that appear through the layers suggest boats, while the buildings on the left have not been
definitively identified but may represent Venice."
Tate Modern Gallery - London
Tate Modern Gallery - London
Tate Modern Gallery - London
Tate Modern Gallery - London
Tate Modern Gallery - London
Tate Modern Gallery - London
Glenn Ligon - Untitled 2006 - Neon lights and paint
"He made this work by painting glass tubes with black paint, constituting a caustic comment on the
national self-fixation of the United States and the position of African-Americans within the nation,
proposing instead a post-national identity."
Tate Modern Gallery - London
Gunther Uecker - White Field 1964 - Painted nails on canvas and board
"The monochrome composition allows the nails to create patterns of shadow across the surface, responding
to the light in the room but also seeming to change in relation to the viewer's own position."
Tate Modern Gallery - London
Lucio Fontana - Spatial Concept 'Waiting' (1960) - Canvas
"Like the holes in some of his other canvases, they have the effect of drawing the viewer into space."
Tate Modern Gallery - London
London Panorama
Panoramablick auf London von der Terrasse der Tate Modern.
London Panorama
London Panorama
London Panorama
London Panorama
London Panorama
London Panorama
London Panorama
London Panorama
Auf der Millennium Bridge nach St. Paul's.

Die Fotos sind in der Tate Modern Gallery in London entstanden.

Adresse:

Tate Modern
Bankside
London SE1 9TG


No comments:

Post a Comment

Google