3/29/2014

Stilkritik: Hexenzirkel.

Szene aus American Horror Story: Coven


Angefangen hat alles mit der dritten Staffel American Horror Story: Coven. Bis auf die erste Folge war die komplette Season storytechnisch ein absolutes Desaster. Übrig blieben Tumblr-Gifs und eine neue Faszination für Hexenkulte bei Teenagern. Vermischt mit dem aktuellen Grunge-Revival und Hipster-Black-Metal-Mode, wurde die Begeisterung nun auch von der Mode- und Beautyindustrie aufgegriffen. Aber kommt das nicht alles viel zu spät?

Noch während die letzten wirren Folgen von Coven in den USA ausgestrahlt wurden, kündigte das Independet Make-up Label Lime Crime die Kollektion The Clueless Witch an. Als Inspiration diente neben den Fernseh-Hexen ein Meilenstein der amerikanischen Popkultur.

Der Kinofilm Clueless, mit Alicia Silverstone in der Hauptrolle, ist einer dieser Streifen, den Europäer nie richtig begreifen werden. Für uns ist es im besten Fall eine lustige Komödie mit satirischen Zügen, die versnobbte, ignorante Teenager und ihren Highschool-Alltag in den sonnigen Staaten zeigt. Eine der vielen Verfilmungen, ausgestattet mit reichen Zicken-Cliquen, deren Mitglieder sich im Unterricht schminken, sofern sie überhaupt im Klassenzimmer anzufinden sind und deren Gespräche sich nur um die heißen Boys an der Schule und die neuesten Designerfummel drehen.

Vor allem modisch ist Clueless bemerkenswert, findet sich hier die Mainstream-Kleidung des (finanziell potenten) amerikanischen Teenagers in Reinform wieder. Das passt so perfekt in den aktuellen Zeitgeist, dass die Outfits und Szenen im neuen Video von Iggy Azalea zum Song Fancy bis ins Detail referenziert werden. Der Kultstatus des Films wurde damit endgültig untermauert.

Auf diesem Weg kommt man schnell zur Fernsehserie Sabrina, the Teenage Witch. Ein hübsches Mädchen mit ähnlicher Frisur und ebenso schlagfertigen Antworten, aber auf der anderen Seite der Popular-Skala.

Velvetine von Lime Crime in Wicked für $20


Velvetine von Lime Crime in Black Velvet für $20


































Womit ich wieder bei den Lippenstiften von Lime Crime und anderen modischen Begleiterscheinungen wäre. Die beliebten und einzigartigen Velvetines (eine Mischung aus Lipgloss und mattem Lippenstift) in drei neuen Nuancen tragen die sprechenden Namen Wicked, Salem und Black Velvet. Seit dem 19. März sind sie exklusiv über den Onlineshop des Labels erhältlich.

Im Highend-Sektor bildet der schwarze Lipgloss von Yves Saint Laurent das Luxus-Pendant. Ein solches Nischenprodukt zu launchen ist außergewöhnlich für ein Traditionsunternehmen, passt aber zur Philosophie von Hedi Slimane. Dazu muss man wissen, dass es 2008 bereits einen schwarzen Lipgloss der Marke gab und eventuell haben die Kundenbedürfnisse einen entscheidenden Einfluss bei der Kreation der neuen Lippenfarbe gehabt.

Für Subkulturen sind solche Produkte eigentlich nur interessant, wenn sie kompromisslos entwickelt werden. Da Saint Laurent am Ende des Tages aber doch eine Marke im hohen Preissegment ist und Kunden erreichen muss, die sich auf adaptierte und verweichlichte Gothiclooks einigen können, wird der schwarze Gloss Volupté  No 209 Smoking als Topcoat beworben, der die eigentliche Lippenfarbe verdunkelt und intensiviert, aber solo aufgetragen alles andere als deckend ist. So weit möchte man dann doch nicht gehen.


Gloss Voluptè von YSL in schwarz No 209 Smoking für $32






























Außerdem bringt mich Saint Laurent noch mit diesen sexy Hexenschuhen aus schwarzem Lackleder um den Verstand (gibt es auch in matter Ausführung und mit geschmacklich fraglichem Leopardenmuster). Umso verwirrender ist es, dass Miu Miu scheinbar den exakt selben Schuh in der aktuellen Kollektion führt. Allerdings nur in der matten Version und 50€ teurer.

Links: Ankle Boots aus schwarzem Lackleder von Saint Laurent für 595€
Rechts: Ankle Boots aus mattem, schwarzem Leder von Miu Miu für 650€

















Um den Kreis zu schließen, muss man wissen, dass die im Netz viel betrachteten Trailer für Coven große, breitkrempige Hüte zeigten, wie sie Hedi Slimane in seiner ersten Kollektion für Saint Laurent vorgestellt hatte. Die in den Teasern gezeigte Schuluniform tauchte in der Serie allerdings nie auf. Zu allem Überfluss war das letzte Wort der Hexe Myrtle Snow auf dem Scheiterhaufen übrigens: "Balenciaga!"

Ich sagte es bereits: Die Staffel war ein Desaster.

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