11/02/2013

Innenansichten: Produktionsrundgang bei Spreadshirt in Leipzig.

Produktionsrundgang Spreadshirt Leipzig
100 Mal gewaschen - nur die Farbe ging raus. 





















Im Rahmen der Designers' Open 2013 nutzte ich am vergangenen Wochenende die Möglichkeit, an einem Produktionsrundgang bei Spreadshirt in Leipzig-Plagwitz teilzunehmen.

Meine Aufgabe als Consultant Creative bei kgullholmen illustrations hat mich bereits für diverse Aspekte des T-Shirt-Marktes sensibilisiert und mein Interesse für die Herstellungsbedingungen bei Spreadshirt geweckt. Des weiteren arbeite ich gerade an einer weiteren, anders ausgerichteten Shirt-Linie und muss in diesem Zusammenhang wichtige Entscheidungen treffen, die über kreativen Input hinausgehen.

Bei diesen Vorbereitungen sind Druckverfahren, T-Shirt-Rohlinge, Versandmöglichkeiten sowie nachhaltige Produktionsbedingungen und Preisgestaltung immer wieder Thema, so dass der Rundgang durch die Werkstätten exakt zum passenden Zeitpunkt angeboten wurde.

Spreadshirt ist eine Online-Plattform auf der sowohl Privatpersonen als auch Firmen, Künstler, Agenturen, Grafikdesigner etc. Kleidung und Accessoires mit verschiedenen Motiven personalisieren können. Ob einfacher Schriftzug, Foto oder selbst gezeichnete Illustration  - theoretisch ist alles möglich. Aber je spezieller die eigenen Ansprüche oder detaillierter das Bild ausfällt, umso mehr Einschränkungen gibt es zu beachten. Darüber hinaus muss auf Copyright und im weitesten Sinn "moralisch vertretbaren" Inhalt geachtet werden.

Im letzten Jahr verschickte der Anbieter etwa 3 Mio veredelte Druckerzeugnisse rund um den Globus. Neben dem Hauptsitz in Leipzig hat Spreadshirt mittlerweile auch in die USA expandiert und versorgt vom Produktionsstandort Las Vegas zum Beispiel Südamerika und Australien. Drei von vier Bestellungen kommen aus dem Ausland, was die Firma nach eigenen Angaben zur führenden Clothing-Commerce-Plattform in Europa und zum drittgrößten Player in Nordamerika macht. Neben der Produktionsstätte in Leipzig (die allerdings nur 20% der Bestellungen bearbeitet, wenn ich das richtig erinnere) wird ein Großteil des europäischen Marktes von Polen aus beliefert.

Das Geschäftsmodell von Spreadshirt gliedert sich in zwei Bereiche: Privatpersonen und Auftraggeber, die Einzelstücke oder eine größere Menge Shirts für den privaten Gebrauch oder als Merchandise-Artikel bestellen und Designer/Firmen, die über Spreadshirt einen Shop eröffnen, indem Kunden nach dem On-Demand-Prinzip rund um die Uhr bestellen können. Die Gewinnspanne ist dabei von den Anbietern frei wählbar.

Je nach Geschmack wird zwischen drei Druckverfahren unterschieden. Flockdruck fühlt sich wunderbar samtig an und wirkt sehr hochwertig. Allerdings können damit keine Farbverläufe gestaltet werden und mehr als drei Farbfolien sollten nicht übereinander gedruckt werden, da das Tragegefühl sonst zu sehr leidet. Flexdruck erinnert mich ein bisschen an Bügelfolie, mit der man auch zu Hause Textilien veredeln kann, hält allerdings länger als angenommen. Das Shirt im Titelbild hat den Härtetest bestanden: Es wurde 100 Mal gewaschen und hätte sicher auch noch länger durchgehalten. Die Folie ist nicht abgeblättert, stattdessen hat der Stoff sukzessive Farbe eingebüßt.

Der Digitaldruck ist zwar die modernste Variante, hat mich von der Qualität aber enttäuscht. Gestalterisch sind eurer Phantasie bei diesem Verfahren keine Grenzen gesetzt: Fotos, Farbverläufe, winzige Details - alles kein Problem. Leider fällt die Deckkraft der Farben nicht besonders gut aus. Diese Shirts haben bereits "frisch besprüht" diesen verwaschenen Vintage-Look, den ich für meine neue Shirt-Linie gar nicht gebrauchen kann. Meine Augen und Hände lieben Siebdruck, der allerdings On-Demand nicht kostendeckend zu realisieren ist, so dass ich an diesem Punkt noch an einem Kompromiss arbeite.

Wie gut ein Druck aussieht und wie langlebig er ist, hängt nicht nur vom Druckverfahren sondern auch vom Textil ab, auf welches er aufgebracht wird. Spreadshirt bietet zahlreiche Modelle in verschiedenen Designs und Farben für Männer, Frauen und Kinder an. Eingekauft werden die Rohlinge bei bekannten Großhändlern wie Fruit of the Loom oder American Apparel. Darüber hinaus können auch Tassen, Beutel, Handyhüllen und allerlei anderer Schnickschnack bedruckt werden.

Im Bereich Bekleidung führt Spreadshirt sogar eine eigene Linie für den Druck optimierter Shirts. Gemeinsam mit den Kunden wurde beraten, was die ideale Passform, Länge und Farbe für ein T-Shirt sei. Gepaart mit den Anforderungen für die Druckmaschinen entstand so das perfekte Spreadshirt-Textil. Über den DNA-Code im Etikett kann der Kunde über www.respect-code.org den gesamten Produktionsweg der Kleidung nachvollziehen.

Wie die Motive im eigenen Spreadshirt-Shop aussehen können, seht ihr zum Beispiel im kgullholmen Shop. Wenn ihr selbst T-Shirts gestalten und verkaufen wollt, empfehle ich, vor Ort Probeexemplare anzuschauen. Bereits beim Entwurf solltet ihr an die technische Umsetzbarkeit denken. Je besser ihr über das Endprodukt Bescheid wisst, umso schöner wird das Ergebnis ausfallen.

Produktionsrundgang Spreadshirt Leipzig
Der virtuelle T-Shirt-Designer - leicht zu bedienen, egal ob Anfänger oder Profi.
Produktionsrundgang Spreadshirt Leipzig
Spreadshirt bietet aktuell drei Druckverfahren an. 
Produktionsrundgang Spreadshirt Leipzig
Produktionsrundgang Spreadshirt Leipzig
Produktionsrundgang Spreadshirt Leipzig
Produktionsrundgang Spreadshirt Leipzig
Produktionsrundgang Spreadshirt Leipzig
Der DNA-Coda verrät: Die Baumwolle kam aus Pakistan.
Spinnen, Weben, Färben, Zuschneiden und Nähen geschah in Portugal.
Produktionsrundgang Spreadshirt Leipzig
Die beliebteste Farbe bei Druckfolien: Neonpink.
Produktionsrundgang Spreadshirt Leipzig
Eindeutig Grande: Glitzerfolie.
Produktionsrundgang Spreadshirt Leipzig
Nach dem Plotten werden die Druckfolien von Hand entgittert.
Produktionsrundgang Spreadshirt Leipzig
Produktionsrundgang Spreadshirt Leipzig
Produktionsrundgang Spreadshirt Leipzig
Mit Hilfe von Wärme wird das Motiv auf das T-Shirt gepresst.
Produktionsrundgang Spreadshirt Leipzig
Beim Digitaldruck wird das T-Shirt direkt in die Druckmaschine eingespannt
und anschließend mit Farbe besprüht. 
Produktionsrundgang Spreadshirt Leipzig
Produktionsrundgang Spreadshirt Leipzig
Happy Warhol-O-Ween! Jack's gruselige Kürbissuppe á la Andy Warhol ...
gewürzt mit einer Prise Skellington. Shirt von kgullholmen illustrations.

No comments:

Post a Comment

Google