9/02/2013

Special: Absturzgefährdet.

Grande absturzgefährdet in Prag

Nervös. Keine Konzentration. Unter Druck. Kann nichts anfangen. Hänge auf diesem einen Gedanken fest. Grau in Grau in Grau in Grau. Wenn Du wüsstest...

Seit heute Nachmittag gehe ich schon wieder die Wände hoch. Kann nicht richtig atmen. Soll ich ihn anrufen oder lieber nicht? Ich weiß, er interessiert sich nicht wirklich für mich, sondern will nur Geld mit mir verdienen. Aber seit R. mich wieder beaufsichtigt, spielt das keine Rolle. Dank ihm habe ich ja mehr als genug.

Depressive Diva hat er dabei. Für ihn ist das so eine Art Konzeptkunst. Ich erfülle ein Bild und zahle noch dafür. Ungerichtete Anspannung. Manchmal mag ich sie, heute halt ich es nicht aus. "Hilf mir, ich will abhauen", bettele ich den Grauen an. Habe ich euch eigentlich jemals einander vorgestellt? Ich glaube nicht. Im April hab ich Dir mal davon erzählt. Dass es da so einen Typen gibt. Meinen Emotionsdealer. Natürlich habe ich ihn on Speeddial.

Wie wir uns kennengelernt haben? Ich bin mir nicht ganz sicher. Es war eine dieser Parties. Oder das danach. Die Taxifahrt vielleicht. Eigentlich lag ich die meiste Zeit mit dem Gesicht nach unten. Wie immer, wenn ich versuche zu vergessen. Er hat mich wohl an dem Abend ins Bett gebracht und mir ein kleines Stückchen Sichere Umarmung unter die Zunge gelegt, damit ich besser einschlafen konnte. Ja, so wird es wohl gewesen sein.

Natürlich bin ich sofort auf den Geschmack gekommen. Mir blieb auch gar nichts anderes übrig. Alle bisherigen Therapien hatten versagt und eigentlich stand ich damals nur noch unter Suicide Watch. Die Zimmermädchen schlossen Wetten ab und immer wenn sie die Sirene eines Krankenwagens hörten, hofften sie insgeheim, es wäre jetzt so weit. Ich habe es zwar oft und intensiv versucht, aber ich bin nicht gestorben.

Später habe ich den Grauen mal gefragt, wieso er mich damals ins Hotel begleitet hat. "Ich wusste Du würdest eine gute Kundin werden, hab's in Deinen Augen gesehen. Aber ich wollte sicher sein, dass Du auch zahlen kannst." Seitdem haben wir eine verlässliche Arzt-Patienten-Beziehung. Die ich manchmal mit einer echten Freundschaft verwechsele.

"Ich brauche Deine Hilfe", sage ich. "Du kannst Dir nicht vorstellen, wie..."; ich fange an zu heulen. "Hilf mir. R. lässt mich nicht allein verreisen. Selbst die offiziellen Termine darf ich nur in Begleitung wahrnehmen." Ich will Oscar sehen. Und Edith. Und Jim & Amy. "Ah, ein trip to the dead", er runzelt die Stirn, "meinst Du...?" "Ja", sage ich, "bitte! Ich hab eh schon wieder suizidale Tendenzen. Ich muss sie sehen. Hast Du Deine Amex dabei?"

Klar hat er. Warum ist er nur so verdammt schwer zu überreden. Es stürmt, aber regnet nicht richtig. Die Stadt ist finster. Ich überlege mich vom Balkon zu stürzen. What's the use between death and glory? I can't tell...

"Komm da weg", sagt er leise aber bestimmt. "Leg Dich ins Bett, kannst dort Flugzeug spielen." Ich liege also im Bett und versuche mir vorzustellen, wie ich zum Flughafen fahre, Gepäck einchecke, durch die Passkontrolle gehe, irgendwann im Flieger sitze, mich anschnalle, Essen und Getränke ablehne, über den Wolken kurz aus dem Fenster schaue und dann endlich einschlafen kann. Es funktioniert, während der Graue am Telefon spricht, schlafe ich wirklich ein.

Eine halbe Stunde später klopft es an der Tür. Auf meinem Nachttisch liegt ein Zettel. "11. September, Flug EL57RPS, 8.55 Uhr." Daneben liegt ein kleines Päckchen. "Für Oscar."

Er ist weg. Das Grau kickt wieder rein. Ready for interview.

Grande absturzgefährdet in Prag

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