6/18/2013

Reise: Amsterdamned // Teil 2.

Totally Amsterdamned

So klappt das nicht mit dem Cleanbleiben. Ich hatte wieder meine Träume vom Nichtankommen, Nichtfertigwerden, Nichtbereitsein. Alltägliche Szenarien in denen ich etwas tue und es gleichzeitig nicht tue. Immer, wenn ich etwas erledigt habe, ist es im selben Moment nicht erledigt. Zeit als nie endender Kreislauf.

Das ganze Bett durchgeschwitzt. Ich komme langsam in ein Alter, in dem ich mir das nicht mehr leisten kann. Die Falten vom Morgen werden am Abend ausgeführt. Nicht sehr elegant. Als reiches Kind berühmter Eltern habe ich leider nicht mehr zu bieten als mein Gesicht. Manchmal kann man sich interessanter machen, indem man es versteckt, aber in gewissen Abständen sollte man es scheinbar zufällig in ein Tele halten, sonst photoshoppen sie sich ein noch schlimmeres zurecht. Give and take. Away.

Immer noch ohne Sonnengläser suche ich auf der Karte nach der richtigen Route. Zum Ziel führen soll sie mich, zum Grauen, dessen Spur ich heute hartnäckig verfolgen werde. Zum Glück scheint es in Amsterdam keine Helmpflicht zu geben. So sause ich mit der geliehenen Vespa im Mod Style durch die engen Gassen und komme mir verwegen vor.

Die Menschen von Amsterdam haben schöne Wohnungen. An Land wie auf dem Wasser. Nachmittags hocken sie an den Grachten, auf Bänken oder Klappstühlen, auf ihren Hausbooten - meistens allerdings im Coffeeshop. Chillig. Wäre mir nicht alles egal, könnte ich vermutlich so etwas wie ein Zufriedenheitsgefühl empfinden.

Seit drei Jahren gehen mir sämtliche Emotionen ab, deshalb die Ersatzstoffe. Dafür muss ich mich nicht schämen. Viele meiner hohlen Zeitgenossen versuchen mit Konsum, Drogen und Sex zu kompensieren. Das ist ok. Im Leben muss man sich für eine Rolle entscheiden. Ich bin das Mädchen, das Mädchen imitiert. Alles nur Pose. Aber wenn ich gut bin, eine überzeugende. Dafür lieben mich meine Fans. Ich danke es ihnen. Nicht.

Am Abend unternehme ich einen Spaziergang durch das Rotlichtviertel. Amsterdam hat eine moderne Prostitutionsszene. Der offene Umgang mit dem Thema hat die Straßen mit ihren Schaufenstern und den Frauen darin zu einer bizarren Touristenattraktion gemacht. Ich weiß nicht, ob es einfacher oder gar besser ist. In meiner Vorstellung ist es schwieriger jemanden aus der Masse zu isolieren und hinter den Vorhang zu locken. Aber vielleicht schätze ich das auch völlig falsch ein.

Ich schaue sie an und versuche es gleichzeitig zu lassen. Denn ich fange automatisch an die Auslage nach meinem Geschmack zu beurteilen. Schöne Brüste. Niedlicher Hintern. Tolle Haare. Sexy Brille. Was die wohl für 30 Minuten kostet? "Hey komm her", ruft das Mädel im Outfit eines amerikanischen Cops. Piepsige Stimme. Doof.

Ich habe da so einen Theorie. Wenn man anfängt sich eine Prostituierte auszusuchen, also so richtig intensiv mit dem Gedanken sich erst alle anzuschauen um die zu finden, die den eigenen Vorlieben am ehesten entspricht, macht man etwas falsch. Die Zeit könnte man genauso gut investieren um in der wirklichen Welt eine "echte" Freundin zu finden. Diese Art von Beziehungsaufbau sollte man sich sparen. It's just fucking.

Pötzlich steht der Graue vor mir. "Hab was Neues für Dich", raunt er in mein Ohr, "gegen Deine Träume." Wortlos greife ich nach dem Plasteröhrchen und lasse es in die Brusttasche meiner Lederjacke gleiten. Wir gehen eine Weile schweigend nebeneinander her. Irgendwann verschwindet er mit der sexy Brille hinter einer Tür. Ich gehe zurück zum Hotel.

Natürlich gibt es hier einen Raucherraum. Mit ausgezeichnetem Belüftungssystem. Die laute Gitarrenmusik kann nicht über den erbärmlichen Zustand der Anwesenden hinwegtäuschen. So sieht Drogenmissbrauch aus. Langweilig. Außerdem schaue ich anderen Menschen nicht gern dabei zu.

Oben im dem Zimmer hole ich das Plasteröhrchen wieder hervor. Kurz darauf steigt "Sommerzeit Traurigkeit" in mir auf. Gleichzeitig habe ich einen echten Goethe-Moment. Stay.

Amsterdam - Stadtansichten


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