11/16/2012

Musik: Lana Del Rey - The Paradise Edition.

Lana Del Rey Performance New York
Lana Del Rey bei einem Privatkonzert in New York (Foto: H&M)

























Auf ihrer neuen EP "Paradise" kreiert Lana Del Rey erbarmungslos eine Atmosphäre, die suizidgefährdend und lebenshungrig sexuell aufgeladen zugleich ist. Das Paradies muß man sich allerdings erschließen. Wer nur oberflächlich hinhört, wird hier nichts finden.

"My pussy tastes like Pepsi Cola" - eine Textzeile so infantil wie einprägsam. Das muß man erstmal wirken lassen. Nach diesem anfänglichen WTF?-Moment offenbart sich hinter dem Song "Cola" jedoch ein wunderschönes, hypnotisches Lied. Sobald der traumhafte Refrain zu "Harvey's in the sky with diamonds...." ansetzt ist es geschehen. Heaven. Paradise. Dead.

Ein wenig mit dem Holzhammer getextet scheint später die Zeile: "In the land of gods & monsters I was an angel looking to get fucked hard". Ist es kindlicher Trotz oder künstlerische Ausdrucksstärke? Im Song "Born to die" hieß es ursprünglich "Fuck me hard in the pouring rain", was bei den Aufnahmen zum Album auf Wunsch der Plattenfirma in "kiss me" geändert wurde. 

Ähnlich dem 10-Stunden-Loop von "My pussy tastes like Pepsi Cola" auf Youtube wird sicherlich der Song "Gods & Monsters" zum neuen Sample-Liebling der Fangemeinde. Denn was gibt es schöneres als seine erotische Softporn-Fantasie "Fuck yeah give it to me" seufzen zu hören? Hier wird nahtlos an das Gefühl aus "Ride" angeknüpft. Der dazugehörige Videoclip/Kurzfilm hat der inneren Position von Del Rey neue, berührende Facetten hinzugefügt.  

Hinter diesen oberflächlichen Hooks verbirgt sich in beiden Titeln ein starker, vor Selbstzerstörung nur so triefender Text. Hier versteht es die Sängerin ihre Verzweiflung mit einer Wucht auszudrücken, die man so seit Ewigkeiten nicht mehr im Mainstream-Musikbiz gehört hat.



Die ständige Gratwanderung zwischen Mainstream und einer Künstelrin, die es wirklich wissen will, wird besonders an der Produktion von "Paradise" deutlich. Für den Sound zeichnet sich ein ganzes Produzenten-Team (u.a. bestehend an Rick Rubin, Rick Nowles, Justin Parker, Daniel Heath und Emile Haynie) verantwortlich. Die genauen Zuständigkeitsbereiche sind bei Wikipedia aufgeschlüsselt.

Manchmal führt diese Zusammenstellung zu klanglichem Hochgenuß wie bei "Blue Velvet" oder "Yayo", ein Titel, der bereits auf der Veröffentlichung, die Del Rey als Lizzy Grant für eine kurze Zeit auf dem Markt hatte, zu hören war. So richtig daneben geht es allerdings bei dem eigentlich vielversprechenden Song "Body Electric".

Die dramatische Ballade bildete bei ihren diesjährigen Festivalauftritten stets einen Höhepunkt mit Gänsehaut-Garantie. Der nun veröffentlichte Studiounfall ist leider nur noch ein schlechter Abklatsch des herzzerreißenden Materials. Die Geschwindigkeit wurde angezogen, die Streicherparts und das tieftönende Klavier in den kaum wahrnehmbaren Hintergrund verdrängt, einfallslose Drums darüber gelegt und zu allem Überfluß wird der Song durch unnötigen, neuen Text am Atmen gehindert.


Insgesamt sind Mix und Mastering auch auf "Paradise" - ähnlich wie beim Vorgänger "Born to die" - nicht einwandfrei gelungen, was Rästel aufgibt. Wer traut hier wem nicht zu der künstlerischen Vision 100% folgen zu können?

Lana Del Rey jedenfalls scheint sich mehr denn je in einer produktiven Phase ihres Schaffens zu befinden. Im Moment geistern mehr as 40 Demo-Tracks durch das Internet, als nächste Single wurde "Cola" angekündigt (Pepsi scheint den Song zu mögen), wozu sicher ein weiteres imposantes Video folgen wird. Außerdem gibt es erste Gerüchte um den Kurzfilm TROPICO, für dessen Soundtrack der Titel "Bel Air" vorgesehen ist. Wie passend, daß der an die verspielte Musik von Danny Elfman erinnert. 

Ab dem 6. April 2013 geht Lana Del Rey zum ersten Mal auf eine wirkliche Tour - durch die größten Hallen Europas.



Like a groupie incognito posing as a real singer. Life imitates art.

Lana Del Rey - The Paradise Edition
Foto: Universal



Das Album "Born to die - The Paradise Edition" ist heute in Deutschland erschienen. In der iTunes-Version steht zusätzlich der Titel "Burning Desire" zur Verfügung, mit dem Del Rey den kürzlich vorgestellten Jaguar F-Type bewirbt.

Morgen (17. November) präsentiert Lana Del Rey ihre aktuelle Single "Ride" in der deutschen Fernsehshow "Schlag den Raab" um 20.15 Uhr auf dem Privatsender Pro7. 

Am Sonntag wird die Sängerin ein Privatkonzert organisiert von H&M vor wenigen ausgewählten Fans in Berlin geben.


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