7/08/2012

Personal: Den eigenen Weg finden.





















Endlich ist der Himmel über mir wieder schwarz. Nach drei Tagen Fashion Week brauche ich ein Naturereignis. Something real. Ich habe mir in diesen verrückten Stunden so ziemlich jeden Gedanken über Menschen und Mode gemacht, die ich mir noch ins Tagebuch schreiben muß. Fest steht: Fashion Week ist toll und wie bei allen guten Sachen frage ich mich, warum ich nicht schon früher drauf gekommen bin.

Wahrscheinlich halten mich alle meine Freund für bescheurt, weil sie nicht verstehen, warum ich auf das Thema so krass abgehe. Mehrmals mußte ich erklären, was eine Fashion Week ist, was es da zu sehen und zu tun gibt und wieviel die Tickets kosten. Haha, man kann es nicht kaufen. Das ist das Tolle aber manchmal aus das Frustrierende daran.

Letzten Sommer habe ich als PR-Frau das Label Andreas Trommler in Berlin betreut. Da ich einen Monat später meine Diplomarbeit abgeben mußte, blieb damals leider keine Zeit für das restliche Geschehen und im Januar bin ich vorsorglich in den Uralub gefahren. Vor zwei Wochen kam mir der zarte Gedanke, daß ich auf der Suche nach schönen Fotomotiven eigentlich auch mal nach Berlin gurken könnte. Ich wollte ein bißchen das Geschehen dokumentieren, aber man kommt recht schnell an den Punkt, an dem man unweigerlich in die Szenerie reingezogen wird. Sogwirkung. 

Stell es Dir so vor: Fashion Week ist wie ein Festival auf dem alle Deine Lieblingsbands geniale neue Songs spielen. Und im Publikum sitzen Leute, die davon genauso begeistert sind wie Du.

Bisher fehlt mir der Draht zur Berliner Szene, aber wie beim Fernsehen gilt wohl auch hier die Regel: Wer einmal drin ist, kommt nicht mehr raus. Anstatt nur stummer Zaungast zu sein, war ich schnell mittendrin. Da Blogger gern Blogger fotografieren, habe ich es sogar in die Streetstyles bei LesMads geschafft. Daß darunter nur Hater-Kommentare stehen kann ich mit meinem Hexenlachen abtun. I'm not doing it for the kids.

In den letzten Tagen habe ich mehr Leute getroffen als wenn ich zur besten Zeit in Leipzig unterwegs bin. Das ist verrückt. Außerdem ist so ein Event, das sich über die ganze Stadt erstreckt, extrem gut zum Kontakteknüpfen geeignet. Mir wurden Jobs angeboten, Karten zugesteckt, ich sollte auf Partys kommen, für die ich leider keine Zeit hatte. Deshalb merke: beim nächsten Mal muß ich das ganz anders organisieren. Selbst wenn man - so wie ich - sehr schüchtern ist, kann sich das bloße Dabeisein lohnen. Die Leute kommen auf Dich zu. Sie wollen wissen, was Du so machst und viele sind auf der Suche nach frischen Talenten mit denen sie zusammenarbeiten können.

Ein Umzug nach Berlin wäre die logische Konsequenz. Leider finde ich die Stadt nicht besonders attraktiv. Aber mit meinem neuen Selbstbewußtsein entdecke ich vielleicht bald den richtigen Job dort. Ich war bei interessanten Vorträgen und Dikussionen und werde in Zukunft einiges über "grüne Mode" berichten können. Mein Hauptaugenmerk lag natürlich wieder auf allem, was schwarz ist und irgendwie meiner Gothic/Punk/Grunge-Vorstellung entspricht. Während andere Blogger noch darüber diskutieren, ob das Wella Volumenshampoo zu ihrem Blog paßt, bin ich mir mittlerweile sicher, daß nur sehr wenige (Mainstream-)Marken zu meinem Blog passen. Diesen möchte ich hier dafür umso mehr Platz einräumen.

Ich wurde gefragt, ob ich mich mit einem oberkörperfreien, aufgepumpten Playboy-Männermodel fotografieren lassen möchte (woran offensichtlich viele Leute Spaß hatten). Das mußte ich mit einem "Nee, das ist nicht mein Style." ablehen. So ein Erlebnis kann auch helfen, die eigene Linie zu finden. Grande-Weisheit: Um zu wissen, was man will, muß man erstmal wissen, was man nicht will. 

Weiterhin straight auf der dunklen Seite der Macht, will ich von furchtlosen Designs überrascht und im besten Fall wie bei der fantastischen Show von Esther Perbandt emotional gepackt werden. Ich möchte mit Leuten zusammenarbeiten, die mit ihrer Kunst irritieren. Die Massen vielleicht verschrecken, aber den Einzelnen nachhaltig begeistern. I want something good to die for, to make it beautiful to live. Hab ich bestimmt schon mal gesagt.

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