4/14/2012

Musik: Habe ich gerade eine Hole-Reunion gesehen?

Auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs: Hole nach den Aufnahmen zu "Celebrity Skin".
Bild via Rock'n'Roll Ghost




















Gestern Abend hatte ich im Bett eine interessante Unterhaltung. Oder vielmehr hielt ich selbstvergessen einen meiner bekannten Monologe über Hole, Courtney Love und ihre Beziehung zu Eric Erlandson. Grund war Erlandsons neues Buch "Letters to Kurt", über das ich noch ausführlicher berichten werde, wenn ich es fertig gelesen habe. Jedenfalls hatte ich bereits nach den ersten Seiten die Erkenntnis, daß der stets sanftmütig schauende Gitarrist Courtney offensichtlich immer noch auf eine sehr grundlegende Art und Weise liebt. Wirklich, es ist Liebe zwischen den beiden. Das hat mich einerseits überrascht und andererseits wieder umso mehr fasziniert. Es folgte eine Analyse der halben Grunge-Szene damals und heute und am Ende meines Vortrags stand die Frage, ob die Zwei je wieder zueinander finden und ob dieses Buch nicht vielleicht den Weg dahin ebnen könnte.



In der Vergangenheit gab es immer wieder Annäherungsversuche zwischen Courtney und ihrer letzten funktionierenden Bandbesetzung. Letztendlich nahm sie ihre Platte "Nobody's Daughter" jedoch mit einer scheinbar willkürlich zusammengewürfelten Gruppe an Typen auf, die alle nicht zu ihr paßten und spielte mit dieser Formation ebenfalls unter dem Namen "Hole" live. Das führte bei Fans und speziell Erlandson zu extremer Frustration, zumal später bekannt wurde, daß zwischen den beiden Exen ein Vertrag existiert, in dem festgehalten wurde, daß keiner von beiden den Namen "Hole" für ein Projekt benutzen darf, in das der andere nicht involviert ist. Für Love typische Twitterstreits folgten, Anwälte wurden eingeschaltet, ein paar lächerliche Zeitungsartikel daraus gemacht.

Zwischen all dem Irrsinn erschien im letzten Jahr allerdings auch die Rockumentary "Hit So Hard: The Life and near Death Story of Patty Schemel". Eine Dokumentation über die namensgebende Hole-Schlagzeugerin Schemel, die zwischen 1992 und 1998 mit Drogen- und Alkoholsucht sowie ihrem Coming-Out zu kämpfen hatte, während sie gleichzeitig mit einer der wichtigsten Alternative Rock Bands dieser Zeit im Rampenlicht stand. Zur Premiere sah man Courtney dann das erste Mal seit langem wieder vereint mit Eric, Patty und Melissa. Es wurde in die Kamaras gelächelt, auf der Maur äußerste sich positiv hinsichtlich einer eventuellen Reunion. Lediglich Love und Erlandson konnten und wollten sich immer noch nicht einig werden.

Kurz vor Ostern sorgte die Ankündigung eines gemeinsamen Auftritts des Original-Hole-Line-Ups anläßlich eines weiteren Filmscreenings für Aufregung. Würde Courtny Love erscheinen? Wenn nicht, wer könnte sie am Mikro ersetzen? Obwohl Melissa wunderbare Backing Vocals beisteuern kann, ist sie bei vielen Fans nicht die erste Wahl für die Rolle der Frontfrau. Der eigentliche Gig war dann weniger aufsehenerregend als die Spekulationen zuvor. Courtney war nicht da, dafür spielten Eric und Melissa einige Songs, Eric laß aus seinen Buch vor, der Film wurde gezeigt, zum Schlußg ab es eine Fragerunde für die Anwesenden.

So weit so traurig meine Analyse. Mein Wunsch, diese Band wieder zusammenzuführen, rührt nicht mal davon, daß ich mir neue Musik von ihr wünsche. Es ist eher die Tragik der Geschichte. Sie alle steckten viel zu tief im Grunge-Drogensumpf drin und haben zusammen erlebt, wie ihre besten Freunde daran gestorben sind. Der Selbstmord von Kurt Cobain war damals nur die sprichwörtliche Spitze des Eisberges. Wenn man in Erlandsons Buch reinliest, steht zwischen den Zeilen einfach jede Menge darüber, daß dieses gemeinsame Schicksal untrennbar miteinander verbindet und man hat das Gefühl, daß die Welt zumindest ein bißchen richtiger ist, wenn sich diese vier Menschen wieder vertragen würden.

Als ich heute Morgen aufwachte, stand ganz oben in meiner Facebook-Timeline ein Video mit dem Titel "Hole Reunion after 15yrs". Ich konnte es nicht glauben und dachte das ist irgendwelcher Quatsch. But really, was ich am Tag zuvor noch herbeigesehnt hatte, ist gestern Nacht Wirklichkeit geworden. The original Hole together again. Lots of hugging involved. Um ehrlich zu sein, I went a bit hysteric afterwards. Jetzt habe ich nur noch einen Wunsch: Please never divorce again!

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