4/15/2012

Illustration: Graphic Novels als Lehrmaterialien im Krankenhaus.

Screenshot vom Graphic Medicine Blog

Während auf der Leipziger Buchmesse jüngst noch lebhaft darüber diskutiert wurde, was denn eigentlich eine Graphic Novel ausmacht und ob sie dem Comic zuzuordnen sei, haben sich die Autoren dieser Bücher bereits aus dem Themenkorsett der klassischen Superheldengeschichte befreit.

Im Gegensatz zum fantastischen Comic handelt es sich bei der Graphic Novel meist um eine komplexe Erzählung mit ernsthaftem Inhalt. Preisgekrönte Beispiele sind Art Spiegelmans Holocaust-Fabel "Maus – Die Geschichte eines Überlebenden" oder Marjane Satrapis Beschreibung einer iranischen Kindheit "Persepolis". Gegenstand der illustrierten Bücher, die sich vornehmlich an eine erwachsene Leserschaft richten, können aber Sach- und Fachthemen sein. So existieren bereits mehrere hervorragende Werke, die sich mit psychischen Erkrankungen auseinandersetzen.

Dabei stehen die Autoren vor der Herausforderung einen wissenschaftlichen Sachverhalt nicht nur verständlich und zugleich unterhaltsam darzustellen, sondern auch sensibel und einfühlsam auf die Belange der Leser einzugehen. Zwei Bücher, die diesen Anspruch erfüllen habe ich euch bereits vorgestellt. Da wäre zum einen "Psychiatric Tales" von Darryl Cunningham und zum anderen "Stitches" von David Small.

Den Mehrwert anspruchsvoller Graphic Novels haben mittlerweile auch Akademiker bemerkt. So nutzt der Internist Dr. Michael Green die Bücher in der Ausbildung angehender Mediziner. Green lehrt Bioethik und Humanwissenschaften am Penn State Hershey College of Medicine in Pennsylvania. Er erkannte als einer der ersten Fachleute, dass die Bilder und Texte eine neue Form der Kommunikation zwischen Arzt und Patient darstellen können. In einem in den USA einzigartigem Kurs macht er seine Studenten mit ausgesuchten Werken vertraut und sensibilisiert sie so für unterschiedliche Sichtweisen und Verständnisse von Gesundheit.

Darüber hinaus können Graphic Novels auch im Bereich Psychoedukation einen wertvollen Beitrag leisten. Ehemalige Patienten verarbeiten ihre Geschichten in autobiografischer Form und lassen somit andere Betroffene an ihren Erfahrungen auf leicht zugängliche Weise teilhaben. 

Bereits 2007 gründete der britischen Arzt Dr. Ian Williams die Webseite "Graphic Medicine". Auch er hatte die gezeichneten Romane als nützliche Ressource für Ärzte, Patienten und Krankenpfleger entdeckt und versteht seine virtuelle Plattform als Verbindung zwischen Comics und medizinischem Fachwissen. Auf der Page findet ihr zahlreiche Review zu relevanten Werken sowie weiterführende Informationen zum Thema Comic und Medizin.

Screenshot von Graphic Medicine

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