2/19/2012

Graphic Novel: Psychiatric Tales - It could be you.























They say I'm mental but I'm just confused.

Ich fühl mich nicht gut, aber ich weiß nicht warum. Ich bin wütend und traurig zugleich, aber es gibt keinen bestimmten Grund. Ein guter Heulkrampf kann auch befreiend wirken, aber eigentlich will das keiner wissen. Seit Jahren leide ich unter depressiven Anfällen. Man hat sich irgendwie damit arrangiert. Manchmal mag ich sie. Manchmal nervt es. Ok, häufig nervt es. Wenn man anfängt sich zu vernachlässigen. Wenn man den Übriggebliebenen die Ohren volljammert. Wenn man zur Belastung wird.

Immer wenn mich jemand nach meinem Studienfach fragt, kommt der gleiche Spruch: "Ach Psychologen, die wollen alle ihre eigene Meise kurieren." Ich weiß nicht, ob das stimmt. Wenn ich an meine Studienkollegen denke, dann trifft es eher nicht zu - oder sie waren alle im Schauspielkurs. Die meisten wirkten wie ganz "normale" Menschen. Was mich selbst betrifft: Ich war vor allem daran interessiert, wie andere Leute ticken und warum sie tun, was sie tun. Insofern war das Studium sehr hilfreich. Meine Depressionen sind in der Zeit nicht besser oder schlechter geworden. Als Kind war ich mal bei einer Psychologin in Behandlung, aber irgendwie ist sie aus mir nicht schlau geworden. Novocaine for the soul, you better give me something to fill the hole.

Neulich habe ich meine erste Graphic Novel gekauft. In einem Londoner Comicbuchladen. Mit einem dicken, bärtigen Typen hinter der Kasse. Wie bei den Simpsons. Ich weiß nicht wieviele Comics es gibt, die sich mit psychischen Störungen auseinandersetzten, aber "Psychiatric Tales" hat mich sofort fasziniert. In kargen Schwarz-Weiß-Bildern erzählt Darryl Cunningham von seiner Arbeit als Health Care Assistent in der Psychiatrie. Im Laufe meiner Universitätslaufbahn habe ich viele komplizierte Bücher über Schizophrenie, Angststörungen, Depression etc. gelesen. Doch wirklich verstanden habe ich diese Krankheitsbilder erst während meiner Praktika. Cunningham gelingt das Kunststück, diese komplexen Vorgänge so einfach in Worte und Bilder zu fassen, daß sich das Buch wirklich leicht lesen läßt. 

Dafür ist der Inhalt umso schockierender. Oft stockte mir der Atem. Teilweise habe ich krampfhaft versucht die Tränen zurückzuhalten. Manchmal aus Mitgefühl, manchmal weil ich mich selbst oder Personen, die ich kenne, darin wiedergefunden habe - und manchmal auch weil Brechreiz in mir aufstieg. Dabei zuzusehen mit welcher Zielstrebigkeit Menschen versuchen sich und ihr Umfeld zu zerstören tut weh. 

Die elf Geschichten drehen sich aber nicht nur um die Auswirkungen psychischer Erkrankungen. Cunnigham erklärt teilweise auch die dazugehörigen biologischen Prozesse und warum es mit einem "Jetzt reiß' dich halt zusammen!" nicht getan ist. Daher kann dieses Buch auch für Angehörige eine große Hilfe sein. 

Ein wenig aus der Reihe tanzt das Kapitel "People with mental illness enrich our lives". Hier hat Cunningham mehrere Beispiele berühmter Persönlichkeiten zusammengetragen und beschreibt, wie Winston Churchill oder Judy Garland trotz/wegen ihrer psychischen Erkrankung Weltruhm erlangten. Auch wenn so etwas immer ein zweischneidiges Schwert ist, könnte ich mir vorstellen, daß man mit ähnlichen Lebensläufen ein weiteres Buch füllen könnte. Ich würde es lesen.

Die letzte Geschichte "How I lived again" ist eine Art Kurzbiographie des Autors. Hier geht er auf seine eigenen Depressionen ein und beschreibt die Entstehung des Buches. Das Zusammentragen der Erzählungen zog sich über einen sehr langen Zeitraum hin, da er so massiv an sich selbst (ver)zweifelte, daß er vier Jahre mit dem Schreiben pausierte. Er verlor seinen Job, konnte als Illustrator kein Geld verdienen, machte Schulden, dachte an Selbstmord...

Wie er es aber doch noch zum erfolgreichen Autor geschafft hat, lest ihr am besten selbst.

"Psychatric Tales" - Darryl Cunningham















































Wenn ihr das abkönnt, empfehle ich als Soundtrack die wunderbare Platte "Beautiful Freak" von EELS.


Eels - Novocaine for the Soul von FabCure

2 comments:

  1. schön zu lesen :)

    ein ehem... - nein: DER ehemalige HZI-gitarrist

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  2. there'll always be just THE one.

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