1/26/2012

Ausstellung: Alexander McQueen Inspirations - Under his spell.























Weißt Du wie weit New York City von Leipzig weg ist? Ziemlich weit. Sogar so weit, daß Google Maps mir keine Route berechnen kann. Ausgerechnet an diesem Ort fand 2011 eine der erfolgreichsten Ausstellungen des Metropolitan Museum of Art statt: Alexander McQueen: Savage Beauty sahen über 600.000 Menschen. Überall las ich, daß die Schlange vorm Eingang scheinbar endlos war, egal zu welches Tages- oder Nachtzeit man hinein wollte. Selbst gestandene Männer sollen die Ausstellung weinend vor Glück verlassen haben.

Wahrheit oder Märchen? Wie ist es möglich erwachsenen Menschen mittels Kleidungsstücken derartige Gefühlsausbrüche zu entlocken?

"Es ist schon verrückt, nur für ein paar Kleider jetzt hierher zu fahren." "Aber es ist gut verrückte Dinge zu tun." "Ich hab nur Angst, daß wir das falsch gelesen haben und dann steht dort nur ein Kleid und der Rest ist irgendwas anderes."

Natürlich ist Hamburg nicht New York und wir sind hier nicht in Seattle, Dirk. Aber es ist mehr als ein Kleid da. Sogar mehr als drei. Während aus den Lautsprechern eine krude Mischung aus Marilyn Manson und Tori Amos kräht, ist es schon passiert. Die Augen haben sich zwischen Motten, Totenköpfen und undefinierbaren, psychedelischen Mustern verfangen. Auf einer Leinwand staksen grotesk geschminkte Models in übergroßen Hahntritt-Mänteln und Escher-Kleidern vorbei. Am Schluß vermengt sich alles, das Kleid löst sich auf und die schwarzen Vögel verschwinden in der roten Dunkelheit.

Man spürt, daß man hier etwas sieht, was sich der Rationalität entzieht. Ich mag Dinge, die ich nicht verstehe. Keine Ahnung was das ist. Diese Sprache spreche ich nicht und ihre Zeichen kann ich kaum deuten. Eine gebrochene Schönheit, die ich nicht begreifen kann. Wie übersetzt man die Milleu-Studien von Charles Dickens in ein Kleid? Ich weiß es nicht. Soll dieser Mantel wie billige Plastikfolie wirken oder bilde ich mir das nur ein? Was hat Darwins Evolutionstheorie mit dem aufwändig geschnittenen und skelettartig bedruckten Anzug vor mir zu tun?

"Und deshalb ist Alexander McQueen so gut. Er entwirft nicht einfach ein schönes Kleid oder eine seltsame Jacke. Er übersetzt Dinge unseres Lebens in Kleidung und wir verstehen davon überhaupt nichts. Sarah Burton macht das zwar auch gut und führt das Label so fort, daß man sieht, das es McQueen ist, aber wenn sie Models als ölverschmierte Vögel zeigt, ist das nicht mehr so drastisch, sondern trotzdem noch angenehm. Sie ist keine Provokateurin."

Die zwei Roboter in der Plato's Atlantis-Show jagen mir Angst ein. Eigentlich sind es nur zwei gewöhnliche Kameras, die an absurd großen Gestellen den Models bedrohlich hinterherfilmen. So als führten sie ein Eigenleben und würden zubeißen, wenn sie nur eine Hand erwischen könnten.

So sieht die Mode aus von jemandem, der häufig und lange in den Abgrund geblickt hat. Aber auch von jemandem der das nötige Handwerkszeug und die künstelrische Begabung besitzt, seine Visionen unzensiert sichtbar zu machen. Mit zunehmendem Erfolg waren auch die Bilder immer verstörender, die McQueen zeichnete. Doch das Publikum ließ sich gern von ihm weh tun. 




Die Ausstellung Alexander McQueen Inspirations ist noch bis zum 6. Mai im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg zu sehen.

UPDATE: Die Ausstellung wurde bis zum 7. April 2013 verlängert!



Abendmantel, SS 2009  The Horn of Plenty

Damenanzug Chrystal Print, SS 2009

Natural Dis-Tinction Un-Natural Selection


Kurzes Kleid Jelly Fish Print, SS 2010

Plato's Atlantis

Plato's Atlantis





















Kaftan-Kleid Camouflage Moth Print, SS 2010

Plato's Atlantis

Abendkleid mit Ballonrock, Pre-Fall 2009

Cocktailkleid & Abendkleid AW 2010, Angels & Demons
















































































































































Wirklich großartige Fotos der Ausstellung findet ihr in Crank'n'Furthers Photostream auf Flickr.

Außerdem sind bei The Outnet gerade die neuesten Kollektionsteile eingetroffen. Einfache Kleider gibt es ab ca. 800€, Schuhe kosten um die 600€.

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