10/31/2011

Fashionshow: "Walk On Air" - Designers' Open 2011.


















Konnte mich für keine Kamera entscheiden, also hab ich sicherheitshalber beide mitgenommen. Mit schwerem Gerät behangen stehe ich im blauen Licht in der Schlange vor der Halle 14. Vor und hinter mir elende Yuppies, die bereits nach fünf Minuten anfangen zu schimpfen. "Scheiß Organisation!  Kann doch nicht sein, daß man sich vorher 'ne Karte kauft und dann anstehen muß!" Waren wohl noch nie bei einer Modenschau. Warten gehört dazu. Hektisch tippen sie in ihre Smartphones, machen Witzchen über Gras, daß sie gern hätten, neben sich die zu perfekt aussehende Freundin. Die kann nicht anders als den jungen Mädchen in den zu kurzen Röcken ein scheinbar fröhliches side-eye zuzuwerfen. Es soll signalisieren: "Ich habe das nicht mehr nötig", aber eigentlich wissen sie, daß die Jüngeren mit ihrem knappen Stil gerade deswegen gut ankommen. 

















Plötzlich mache ich mir Sorgen, daß mein Name nicht auf der Liste steht. Den Eintritt kann ich mir unmöglich leisten. Glücklicherweise läuft alles wie geplant und ich schlüpfe in das dunkle Loch. Es gibt Prosecco zur Begrüßung, vom Catering hab ich wohl nur geträumt. Aber das ist nicht schlimm, denn ich träume häufig. Außerdem soll es jetzt um Mode gehen und nicht um's Fressen.

Der Stargast des Abends läßt auf sich warten: OBM Jung eröffnet noch die zeitgleich stattfindende Grassimesse. Oben auf dem Podium lobt er Leipzigs kreative Szene, die sich wundervoll entwickelt habe. Stanislaw Tillich, unter dessen Schirmherrschaft die Designers' Open in diesem Jahr steht, schickt einen Redner als Vertretung, der so schlecht ist, daß er erst vom Publikum von der Bühne "geklatscht" und letztendlich von den Veranstaltern ausgebremst wird. Peinlich.



























Endlich setzt sich Stephan König an den Flügel und beginnt zu spielen. Die Tänzer des Spinnerei Balletts betreten zaghaft die Bühne um mit wogenden Bewegungen die 70-minütige Performance einzuleiten. Eine Zuschauerin hinter mir drückt mich immer mehr gegen eine Metalsäule um einen besseren Blick auf die Bühne zu haben. Ich möchte fühlen und mich im Tanz verlieren, aber mein Herz bleibt leer. Die Bewegungen befremden mich eher, als daß sie mich entführen. Klavier und Cello versuchen meine Sinne anzuregen, aber meine Augen sagen nein.

Warum ist es eigentlich so schwer Mode und Tanz zu verbinden, wo es doch so naheliegend scheint? Bin ich es oder kommen hier zwei Künste einfach nicht zusammen? Ich würde gerne in die Köpfe der anderen Zuschauer sehen können. Frenetischer Applaus am Ende. Ein Fragezeichen in meinem Hirn. Mit Tori Amos und Tom Waits flüchte ich mich in die Nacht.



Choreografie: Montserrat Leon
Tänzer: Spinnerei Ballett
Musik: Stephan König

Modelabels:
Senta Amacker / Basel
Hartmann Nordenholz / Wien
Minna Palmqvist / Stockholm
Bitten Stetter / Hamburg
birthday suits / Leipzig

3 comments:

  1. Das Video ist doch ganz ansehnlich. Und die Musik passt auch gut. Aber das täuscht dann wohl. Ich war selber nicht dort, es klingt aber eher enttäuschend. Ist aber sehr unterhaltsam geschrieben, das gefällt.

    AnnaXYZ

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  2. bewegung und kleidung sollten zusammen passen bzw aufeinander abgestimmt sein, bestenfalls ergänzen. wenn das nicht so ist - wie bei dieser veranstaltung - dann schreit einen dieser missklang förmlich an. das wirkt gekünstelt und gezwungen. entweder ist der tanz überflüssig bzw störend (wenn man auf die kleider achtet) oder die kleider (wenn man auf den tanz achtet). beides ergänzt sich nicht, das eine wirkt neben dem anderen deplaziert. sportliche kleidung kann ich mit sportlichen bewegungen präsentieren, elegante kleidung mit dezenten eleganten bewegungen usw.
    lustig bzw komisch sind solche veranstaltungen trotzdem: perfekte möchtegernkunst und dilettantisches marketing

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  3. Bin dort gewesen & fands hauptsählich langweilig. Irgendwie musste ich oft schmunzelnd, oft kopfschüttelnd an die verkramften Bilder denken, die Nachts oft über Arte oder 3 Sat laufen.

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