9/12/2011

Innenansichten: Das Leipziger Stadtbad.























Die Freibäder schließen, das alte Stadtbad macht auf. Leider nur für einen Tag. Gestern bot sich zum Tag des offenen Denkmals wieder die Gelegenheit das alte Leipziger Stadtbad von innen zu besichtigen. Ich habe schon so viele Bilder davon gesehen, daß ich mir einiges davon versprach. Die Erwartungen wurden teils erfüllt, teils enttäuscht.

Es ist bekannt, daß sich das Gebäude in einem schlechten, baufälligen Zustand befindet. Die Dreiflügelanlage war 1916 eröffnet worden und imponierte den Badegästen bereits damals durch ihre Monumentalität und Weitläufigkeit. Die Einrichtung verfügte über verschiedene Sauen sowie eine Männerschwimmhalle mit Wellenanlage. Ganz im Zeichen der Gesundheit hielt das Stadtbad neben Wohlfühlbereichen auch medizinisch-therapeutische Angebote für die Besucher bereit.

Im Jahr 2004 mußte der Badebetrieb aufgrund des schlechten baulichen Zustandes eingestellt werden. Zwei Jahre später wurde die selbständige Förderstiftung "Leipziger Stadtbad" auf Initiative der Kommunlaen Wasserwerke Leipzig gegründet. Das Ziel der Stiftung ist es, das Bad zu sanieren und spätestens zum 100-jährigen Geburtstag 2016 den Badebetrieb wieder aufzunehmen. Ich verfolge die Arbeit der Stiftung schon einige Jahre und um ehrlich zu sein hatte ich gehofft das Gebäude in einem besseren Zustand vorzufinden. Stattdessen erwartete mich eine scheinbar unendliche Baustelle.

Die beiden Schwimmhallen sind komplett mit einem Gerüst verbaut, das offenbar das Dach stützt. Ich weiß nicht, ob das ein Fortschritt ist, aber ich kann mir nur sehr schwer vorstellen wie aus den extrem heruntergekommenen Räumen in so kurzer Zeit eine funktionstüchtige, saubere Anlage werden soll. Der Saunabereich ist mit DDR-typischem Linoleumboden ausgelegt, ziemlich ungünstig für mein Verständnis. Die alte Einrichtung wirkt teils sehr mondän, an einigen Stellen aber recht verkitscht. Beim Durchgang kam mir unweigerlich der Gedanke, wie es wohl wäre, wenn alle mich Umgebenden in diesem Moment zum Baden hier wären. Würde das überhaupt noch zusammenpassen? Man kann sich sein Publikum nicht aussuchen, aber die Gestaltung des Gebäudes verlangt nach etwas mehr Klasse. Moderne Spinds und Umkleidekabinen, dazu der heute unvermeidbare Imbißstand und die Berieselung mit plärriger Radiomusik - hoffentlich hat die Badeanstalt eine andere Zukunft.

































Der Unbeeindruckte hat mir auch ein paar Fotos überlassen:














































Wer sich gruseln wollte, war im Keller an der richtigen Adresse. Dort ist alles so verdreckt, eng und abgefuckt, daß man problemlos einen weiteren Silent Hill-Teil drehen könnte. Ich hab mich auch gefragt, wozu man ein Hundebad und eine Reptilien-Quarantäne brauchte und wer um alles in der Welt auf die Idee kam, das Kinderschwimmbecken in der hintersten Ecke des unterirdischen Geschosses anzulegen. Ob man sich da einen Gefallen getan hat, die Schaulustigen durch diese bunkerartigen Räumlichkeiten zu schicken?
























Ihr seht, es ist noch unheimlich viel zu tun. Wer die Stiftung unterstützen möchte, kann das auf folgende Weise tun:

"Spendenaufruf- so engagieren Sie sich für das „Denk‘mal mit Herz“!
Nur in einer gemeinschaftlichen Kraftanstrengung von privatem und unternehmerischem Engagement kann es gelingen, das Stadtbad zu retten. Helfen auch Sie mit und unterstützen Sie die Sanierung und den Erhalt des Denkmals. Spenden in jeder Höhe tragen dazu bei, die Vision wahr werden zu lassen.

Spendenkonto
Förderstiftung Leipziger Stadtbad
Sparkasse Leipzig
Kto 1100 900 990
BLZ 860 555 92

Charity-SMS-Nummer: 81190
Senden Sie eine SMS mit dem Kennwort „Stadtbad“ an unsere
Charity-Nummer 81190.
Vom SMS-Preis 2,99 Euro gehen 2,82 Euro direkt an die Förderstiftung.

Spenden-Telefon: 0900 1161916
Mit 5 Euro für einen Anruf aus dem deutschen Festnetz sind auch Sie ein Förderer unseres „Denk‘mals mit Herz“! (58 Cent davon entfallen für Gebühren)"
Weitere Infos über die Stiftung und viel Wissenswertes findet ihr im Netz unter www.herz-leipzig.de und auf Facebook gibt es regelmäßige Updates.

Damit ihr seht, was man aus dem Stadtbad so machen kann, haben mir Silent View erlaubt einige Fotos zu posten, die sie bereits dort geschossen haben. Wie immer atemberaubend!





























Jetzt ging es die ganze Zeit um Wasser bzw. dessen Abwesenheit und dazu habe ich heute eine wunderschöne Live-Performance von PJ Harvey in ihrer (wie ich finde) besten Phase herausgesucht. "Down by the water" ist der perfekte Song um Badegänge zu untermalen - zu der Melodie dürfen die Leute in meinen Gedanken gerne durch die Gänge schweben...

5 comments:

  1. sehr schmuckes Kleinod

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  2. Danke für den Artikel. Leider keine Bilder von der gestützten Decke.
    Noch ein kleiner Tipp:
    body {
    color: #FFF;
    }
    für deutlich bessere Lesbarkeit.

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  3. Auf Deckenfotos hab ich verzichtet, weil da einfach nur ein riesiges Baugerüst im Schwimmbecken steht. Da gibt es nicht viel zu sehen...

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  4. Oh ja das ist schon ein sehr schönes Bad in Leipzig, wunderbar. Schade das es nicht wirklich offen ist. Das Ballerinabild finde ich richtig genial....
    LG aus Weimar

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