9/03/2011

Ausstellung: Mode in der DDR zwischen Traum und Wirklichkeit.























Seit knapp zwei Wochen wird im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig eine Ausstellung zu einem meiner Lieblingsthemen gezeigt: DDR-Mode. "Urks, geblümte Kittelschürzen" denkt ihr jetzt vielleicht. Ist natürlich Quatsch. Als Ex-Sängerin einer deutschsprachigen Band mit großem Interesse an Jugend- und Subkulturen beschäftige ich mich seit einiger Zeit mit den kulturellen Besonderheiten der "Ostzone". Besonders genial finde ich dabei, wie die Leute aus der (sprichwörtlichen) Not eine Tugend gemacht haben und ihre Kreativität auf ganz spezielle Weise gefragt war. Das geht los bei DDR-Lyrik, die teilweise so geschrieben war, daß der Staat die kritisierende Message nicht entziffern konnte oder sie zwar gelesen hat, sie aber so versteckt in cleveren Metaphern geäußert wurde, daß man nicht dagegen vorgehen konnte. Mode jenseits des Kapitalismus und der vermeintlichen Selbstbestimmung scheint beim ersten Gedanken langweilig, kann aber neben den unvermeidlichen Lachnummern durch großen Einfallsreichtum begeistern.




















Bei der feierlichen Eröffnung der Ausstellung waren leider so viele Menschen anwesend, daß ich lediglich ein paar Fotos machen konnte. Um die Exponate genauer unter die Lupe zu nehmen fehlte mir in dem Gedränge (und der Hitze!) die Muse.

Bevor die gespannten Besucher die Räumlichkeiten zum ersten Mal betreten durften, richteten einige der Verantwortlichen einleitende Worte an die Öffentlichkeit. Vieles von dem Gesagten war mir bekannt, dennoch lauschte ich aufmerksam und machte mir ein paar Notizen. Da ich diverse Sachverhalte nicht besser darlegen könnte, hier eine kurze Zusammenfassung:

Dr. Volker Rodekamp (Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig): 

Die Ausstellung ist ein Zeichen dafür, wie eng die verschiedenen Museen der Stadt zusammenarbeiten. Günter Rössler ist eine Ikone; seine Fotografie/seine Kunst sind Ikonen. Aus diesem Grund werden 40 bisher unveröffentlichte Bilder des namhaften Modefotografen gezeigt. Diese werden die Zuschauer beglücken und berührt zurücklassen. Bei der Auswahl der Ausstellungsstücke stand vor allem die Überlegung im Vordergrund, wie man eine Ausstellung mit hervorragenden Exponaten noch wichtiger machen könne. Viele Bürger haben mit Stücken aus ihrem privaten Kleiderschrank ausgeholfen, außerdem sind Leihgaben verschiedener Museen zu sehen. Ein Großteil der Bevölkerung begreift Mode als Ausdruck bürgerlicher Dekadenz, während die Staatsmacht der DDR bewußt keinen Kapitalismus in der Mode haben wollte. Die Kleidung sollte funktional, langlebig und praktisch sein, vor allem aber sollte sie zur sozialistischen Persönlichkeit passen. Laut Rodekamp wohnt dem Menschen aber eine anthropologische Sehnsucht nach Ästhetik inne, daher waren die Bürger schnell unzufrieden mit den Vorgaben der Regierung. Es ist ein Vorurteil, daß Mode in der DDR ein Fremdwort gewesen sei. Die Ausstellung soll daher besonders Menschen aus den alten Bundesländern anziehen und mit diesem Vorurteil aufräumen.

Michael Faber (Bürgermeister und Beigeordneter für Kultur der Stadt Leipzig):

Kleidung ist ein Zeichen von Kommunikation. Die Ausstellung bewegt sich im Spannungsfeld zwischen der Suche nach Individualität und Planwirtschaft. Günter Rössler gilt mit seinen durchgestalteten Bilder als einer leidenschaftlichsten Modefotografen der 60er Jahre und beeinflusste damit maßgeblich die Vorstellung eines neuen Frauentyps.

Katrin Sohl (Kuratorin):

"Mode ist eine launische Diva: Man redet gern drüber. Nicht jeder gibt das zu, aber jeder hat eine Meinung." Jeder weiß es anders, jeder weiß es besser. In die Ausstellung wurden lange Interviews mit Zeitzeugen eingebaut. Sie wurden absichtlich nicht bearbeitet, um die Authentizität zu bewahren. Sie erinnerte an die TV-Sendungen mit Klaus Ehrlich (Vorläufer zum heutigen "Mode mal Ehrlich") oder "Mode und Musik" wo - moderiert von Frank Schöbel - Modelle zum Selberschneidern vorgestellt wurden. Ein Verweis auf das Jeansverbot bei Tanzveranstaltungen und in Schulen sorgte für Lacher. 
Am Ende ihrer Rede rief sie Interessierte dazu auf, zu dem Thema DDR-Mode zu forschen, da jetzt die "richtige Zeit" dafür sei. Jetzt leben noch Menschen, die selbst dabei waren und Auskunft geben können, die noch Unterlagen besitzen oder wissen, wo welche zu finden sind. Mit diesem Gedanken habe ich mich schon seit einiger Zeit getragen; vielleicht spezialisiere ich mich irgendwann mal auf Alternativmode der Jugend- und Subkulturen der DDR.














































Malimo & Co. Mode in der DDR zwischen Traum und Wirklichkeit
Ausstellung vom 24.8.2011 - 8.1.2012


ästhetisch & individuell
Unbekannte Modefotografien von Günter Rössler
Studioausstellung 24.8. - 13.11.2011

Den Ausstellungskatalog gibt es im Museum übrigens für knapp 20€ zu kaufen, wenn ich richtig informiert bin. Außerdem kann man für 30€ einen signierten Kunstdruck (traumhafte Motive) von Günter Rössler bestellen.

Bild via Stadtgeschichtliches Museum Leipzig




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