8/26/2011

Film: I'm still here.

Bild via allieisweird























You want me to do something real?! Joaquin Phoenix ist wieder/immer noch da. Viele kennen den smarten Amerikaner durch seine auffällig charakterstarken Rollen wie die des perfiden Commodus in Scotts Gladiator, als resignierter Kameramann in Georges Hotel Rwanda oder eben seine bis dato größte Rolle als Johnny Cash in Mangolds Walk the Line. Phoenix ist mehrfach Oscar-nominiert, galt als einer der "neuen Stars in Hollywood" und hatte eine glänzende Karriere vor sich.

2008 gab er dann überraschend bekannt, dass er keine weiteren Filme mehr drehen will, sich aus Hollywood verabschiedet und in Zukunft eine Karriere als Rapper verfolgen wird.

Die Medien waren verwirrt bis ungläubig, die Fans vor den Kopf gestoßen und viele glaubten an einen dummen Witz. Bis Phoenix 2009 dann tatsächlich als schmuddeliger Rapper mit fettiger Wollmütze in ranzigen Schlabberklamotten inkl. Pennerbart und filzigem Haar in's Licht der Öffentlichkeit zurück torkelte ... offensichtlich 20kg fetter und permanent umnebelt.

Grenzwertige Auftritte, bei denen er nuschelnd und schwankend den Rapclown gab, öffentliche Ausfälle wie das berüchtigte Letterman Interview oder Angriffe auf Presse und Publikum rundeten das Bild ab: Phoenix schien sich in ein Projekt verrannt zu haben, was ihn offenbar langsam zugrunde richtete. Einige glaubten immer noch an einen großen Hoax, andere hielten daran fest, dass Phoenix jetzt ein Junkie auf dem direkten Weg über die Klippe sei ... und die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.

I'M STILL HERE ist das Dokument (eher Mockument) dieses inszenierten Absturzes, ein manipulativer Zeuge Phoenix' genialen schauspielerischen Talents und dazu noch eine ätzende Mediensatire, die gekonnt auf den Grenzen zwischen Lug, Trug und Realität umhertanzt.

Wer hier aber die Dokumentaion eines elaborierten Witzes erwartet, liegt falsch. Die Tatsache, dass I'M STILL HERE in seinen Grundzügen gescriptet, inszeniert und gespielt ist, sollte einen weder von der Aussage dahinter noch von der großartigen Leistung Joaquin Phoenix' und Casey Afflecks ablenken.

Phoenix spielt Phoenix, und das unbeirrbar, irgendwo zwischen bekifft-lethargisch-orientierungslosem Penner und koksnasig-arrogant-aufbrausendem Wichser ... und das tut er auch so gut, dass man ihm - selbst mit dem Wissen, dass man einen inszenierten Film sieht - all diese Dinge abkauft. Sei es seine Idee als Rapper bei P. Diddy um Audienz zu betteln, seine Hilflosigkeit, mit der er seine Karriere den Bach runtergehen sieht, oder seine Resignation, weil sein Projekt eigentlich niemand ernst zu nehmen scheint.

Und das tut weh ... es tut Phoenix weh und dem Zuschauer. Denn der Film weiß genau um seine Wirkung und spielt diese auch gnadenlos aus. Und so muss man sich fremdschämen, mitleiden oder wütend werden ... wegen, mit und für Joaquin Phoenix, denn so nah dran am stumpfen Schmerz des Suchens ohne etwas zu finden, der Peinlichkeit des Versagens und dem ätzenden Spott der Medien war Kino selten.

I'M STILL HERE ist ein interessant inszenierter Film, der mit und in der Öffentlichkeit und den Medien spielt, und somit immer auch ein wenig unberechenbar für die Macher selbst blieb. Für Phoenix war es Method Acting bis in's allerletzte Fünkchen verglühender Würde, ein inszenierter Sturz mit echtem Aufschlag. Hut ab, dass hochdekorierte Schauspieler sich heutzutage noch solche Projekte ausdenken und umsetzen (so ungesund und karrieregefährdend es auch sein mag) anstatt sich auf Millionengagen auszuruhen.


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