12/10/2010

Rückblick: Autolux im Privatclub, Berlin.

Bild via Last.fm






















Tatort: Privatclub, Berlin-Kreuzberg. Tatzeit: 3.12.2010. Criminal Offender: Autolux. Eine Vorgangsbeschreibung von Unbeeindruckt.

Autolux sind mir auf last.fm über den Weg gelaufen, als ich etliche Jahre zu spät Bands wie My Bloody Valentine, Asobi Seksu oder  A Place to Bury Strangers für mich entdeckt hatte. Mit denen verbindet Autolux nicht nur das massive Effektgeräte-Gewirr zu Füßen des Gitarristen, sondern auch der bewusst unterkühlte Gesang sämtlicher Beteiligter sowie die tragende Rolle der Bassgitarre als Melodieinstrument.

Das Ende 2000 in Los Angeles gegründete Trio besticht darüber hinaus mit einer spannenden Schlagzeugerin: Carla Azar. Die drummte schon für PJ Harvey und John Frusciante und setzt nicht nur optisch Akzente in der Band. Verfeinert mit ein paar analogen Synths, Psychedelia und Feedback entstanden so bisher zwei ebenso atmosphärische wie eklektische Alben: das 2004er Album Future Perfect - bei dem sich sogar Maynard James Keenan mal zu einer Lobeshymne hinreißen ließ - sowie der etwas stillere Nachfolger Transit Transit. 

 
Turnstile Blues


Doch bevor Autolux die Bühne betraten, kamen erstmal Gianna Factory aus Dänemark. Das Damentrio kreierte mit Moogs, minimalistisch programmierten Drumspuren und effektlastigen Gitarren eine eigenwillige Mischung melancholischer Melodiebögen, groovender Basslines und 80's Popgesang. Interessant, gut umgesetzt und sympathisch. Das das ganze etwas in sich selbst gefangen schien und nur selten aus den Strukturen ausbrach, störte in Anbetracht des Status "Opener" nicht wirklich ... ganz im Gegenteil: damit ließ man noch Platz nach oben.

Gianna Factory 


















Diesen sollten Autolux ausgiebig nutzen: los ging's ohne große Ankündigung mit einer Handvoll Songs des neuesten Albums, um anschließend mit den lauteren Tracks des Debüts noch eins draufzusetzen. Carla Azars stoisch scheppernde Drums, Eugene Goreshters exzessiv brummende Bass-Riffs und die verträumten Gitarren-Klangflächen aus der Hand Greg Edwards bildeten den Klangteppich, auf dem sich die Stimmen aller drei Bandmitglieder abwechselnd oder in Harmonie austoben konnten. Dabei fühlte sich z.B. Edwards stiller Track "Spots" wie eine Hommage an die späteren Radiohead an, Azars "The Bouncing Wall" beschwor mit seiner Elektronik und dem eingängigen Gesang The Knife Assoziationen und Goreshters "Robots in the Garden" erinnerte in seiner direkten Ruppigkeit sofort an Eels "Souljacker"-Ära. 

Greg Edwards, Carla Azar und Eugene Goreshter ... Autolux


















Schwelgerische Shoegaze-Passagen gaben sich mit punkigen Riffs und verknarzter Elektronik die Klinke in die Hand, dazwischen wurde immer wieder beteuert, wie niedlich klein doch die Location wäre, und wie nett die Deutschen  sind, bei diesem Sauwetter zu einem Autolux-Konzert zu pilgern und wie schick, aber kalt Berlin doch sei. Naja, Schnee ist den Kaliforniern wohl nicht so ganz geheuer.

Punkt 23 Uhr schob der Lärmschutz dem rockig-psychedelischen Treiben einen Riegel vor, denn der Privatclub liegt in einem Wohngebiet. So wurde am Ende auch nochmal richtig aufgedreht, komplett mit Feedbackschlaufen und voll zugeschaltetem Pedalboard ... bis die Ohren brummten und man den Bass in der Magengrube spürte. Und weil die Fans die Band dann gar nicht von der Bühne lassen wollten, gab es nach wenigen Minuten der Trommelfellerholung mit "Capital Kind of Strain" sogar noch eine entspannte, fast schon dezente Zugabe.

"Thanks again for coming out to see US ... that's very nice of you" 


















Fazit: der Privatclub machte seinem Namen alle Ehre. Die Atmosphäre, samt Musikern, Publikum und Bühnendeko war, allein schon wegen des ungemütlichen Wetters eine Etage weiter oben, heimelig und angenehm intim ... und die Musik war ein abwechslungsreicher Trip durch etliche Nischen modernen Rocks. Von absolutem Krach bis zum verträumten Pianosolo gab es hier viel zu entdecken, staunen und lauschen. Und damit gebe ich zurück in's Grande-Studio.
  

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