11/28/2010

Reise: Bukarest Nov 2010.























Im Rahmen meines nicht nennenswerten Nebenjobs bereiste ich Anfang der Woche das Land von Dracula. Im Gegensatz zu anderen DDR-Kindern war ich nie in Ungarn oder Bulgarien und habe nie im Schwarzen Meer gebadet und war sehr gespannt auf meinen ersten Trip nach Osteuropa. Aufgrund des straffen Zeitplans blieben mir genau drei Stunden Freizeit um das Land außerhalb eines Reisebusses kennenzulernen.

Am Sonntag hatte ich mir schnell noch einen Reiseführer gekauft und beim Durchblättern merke ich schnell, daß Rumänien ein sehr abwechslungsreiches Land ist. Seit 2007 ist der Staat Mitglied der EU, gezahlt wird bisher aber noch in LEI bzw. RON.


















Später machte ich wieder die schmerzliche Erfahrung, daß die Reisebank am Bahnhof fürchterliche Kurse hat und ich mir angewöhnen muß in Zukunft dort nicht mehr hinzugehen. (Das Geld wurde mir übrigens mit den Worten "Und bitte alles ausgeben, bringen sie das ja nicht wieder mit!" übergeben...)

Kaum auf dem Flughafen in Bukarest angekommen wurde ich in einen Bus gesetzt und ins ca. 200 km entfernte Brașov (deutsch Kronstadt) gebracht. Am Rande der dichtbefahrenen Straße sah ich drei scheinbar typische Dinge: Herrenlose Hunde, Anhalter und niedliche kleine Häuschen (Zustand zwischen neugebaut und heruntergekommen).

 






























































Während sich meine Mitreisenden über schlechtverlegte Stromleitungen und scheinbar allgegenwärtige Armut mokierten, gefiel mir die spröde Landschaft recht gut. Wir kamen immer höher in die Karpaten und die Berge sind angenehm gerundet, die Alpen erscheinen mir dagegen immer so bedrohlich spitz. Von der Stadt habe ich leider sehr wenig gesehen, auffällig waren die Oberleitungsbusse. Ich konnte nur zwei Fotos machen:












































Durch die Häuserschluchten konnte ich kurz den Brașov-Schritfzug im Hollywood-Design erspähen, der hat nachts sogar geleuchtet. Coole Installation!

 Bild via TheLongestWayHome















Nachdem ich bis ca. 3 Uhr am Morgen gearbeitet hatte ging es mit dem Bus zurück nach Bukarest ins Hotel. Das war kurz vor der Stadt gelegen und hier wurden die Gegensätze zwischen Arm und Reich extrem deutlich: Rechts vom Hotel stand ein Ferrari-Autohaus und auf der linken Seite befand sich eine Autowerkstatt in der man Hostel hätte nachdrehen können.

Trotz zu kurzer Schlafphase war ich entschlossen etwas zu erleben, denn es war äußerst unsicher, ob es einen Tag später eine weitere Möglichkeit zum "Fliehen" geben würde. Alles schlief noch als ich 12 Uhr Mittags zur Rezeption ging und nach einem Taxi fragte. Der Hotelier sagte etwas von ca.20 Minuten und 15 Euro für eine Fahrt in die Stadt.

Mein Reiseführer sagt über Bukarest:
Die Bukaresthasser beklagen die allgemeine Aggressivität im Umgang der Menschen untereinander. Rasende Autofahrer scheuchen Fußgänger von Zebrastreifen und parken rücksichtslos Toreinfahrten und Gehsteige zu. Dem Verkehr droht ständig der Infarkt. Abgase verpesten die Luft. Bukarestfans wiederum schätzen gerade diesen Tanz am Rande des Nervenzusammenbruchs, weil er den unverwechselbaren Humor der rumänischen Hauptstadt hervorbringt. [...] Optisch zerfällt Bukarest in widersprüchliche Welten. Im Norden liegt das Villenviertel der Politiker und Diplomaten in gepfelgtem Grün [...]. Die Stadtmitte mit dem bunten Architekturmix ist kreuzartig durchschnitten von den lebhaften Boulevards [...]. Nach Süden hin ziehen sich ungepfelgte Plattenbauviertel, in denen das Gros der kleinen Beamten, der Arbeiter, Lehrer und Studentden wohnt.
Es gibt wirklich sehr viel Autos in Bukarest und 2 Mio Menschen wollen ständig irgendwo hin. Ich steh total auf dieses Großstadtgewusel. Von Abgasen fühlte ich mich nicht belästigt.

Ich hatte es mir in den Kopf gesetzt, das Lipscani-Viertel zu besuchen und auf der Fahrt stellte sich dann heraus, daß es bis dahin aufgrund des dichten Verkehrs etwa eine Stunde dauerte und die Fahrtkosten erheblich höher ausfielen. Da nur wenig Zeit war bleib mir aber gar nichts anderes übrig als mich den Gegebenheiten zu fügen und ich war super gespannt auf das "Leipziger Viertel" mitten in Rumänien.
Das älteste Händlerviertel der Stadt [...]. In den verwinkelten Straßen Lipscani ("Leipziger"), Blanari ("Kürschner") und Kovaci ("Schmiede") reihen sich kleine Läden und Werkstätten aneinander. Man findet alles, was es auch in Kaufhäusern gibt, nur billiger.
Die Lipscani-Straße heißt so, weil hier vor rund 300 Jahren deutsche Importwaren verkauft wurden. Besonders reizvoll ist das Galerienparadies Hanul cu Tei. Schwere schwarze schmiedeeiserne Türen und Fensterläden zeiren die von Künstlern gestalteten Geschäfte in diesem Innenhof. Hier kaufen Maler ihre Staffeleien, Leinwände und Farben. In den Galerien wird zudem zeitgenössische rumänische Kunst angeboten udn allerlei für die Wohnung: originell gerahmte Spiegel, Keramik- und Kristallgefäße sowie Textilien. 

Damit die Zeit nicht lang wurde,  erklärte mir mein Taxifahrer freundlicherweise alle Sehenswürdigkeiten entlang des Weges.  Wir passierten den Arcul de Triumf (eine Imitation des Pariser Arc de Triomphe), das Muzeul Țăranului Român (Museum des rumänischen Bauern) und fuhren auf dem Boulevard Unirii (Boulevard der Einheit) zum Parlamentspalast. Das Monstrum ist das größte Gebäude Europas und nach dem Pentagon das zweitgrößte Gebäude der Welt. In den 1980er Jahren wurde der Palast im Auftrag des damaligen Diktators Ceaușescu erbaut, heute befindet sich hier das Abgeordnetenhaus und andere mehrere staatliche Institutionen.

Bild via Imageant








































































Nach scheinbar endloser Parkplatzsuche, hielten wir nahe der Lipscani-Straße und es blieb mir noch  eine gute Stunde Zeit um die verwinkelten Straßen zu erkunden. Der Taxifahrer bot mir an mich herumzuführen (vielleicht hatte er auch Angst, daß ich verloren gehe und ihn nicht bezahle); das war natürlich das Beste, was mir passieren konnte, denn alleine hätte ich nicht halb so viel gesehen.
Leider hatte ich den Akku des Fotoapparates am Vortag wohl zu sehr beansprucht, denn der  war nach 20 Bildern leer und dabei gab es doch so viel zu sehen! Ich werde mir nun endlich mal einen Zweitakku zulegen. Hier ein paar Eindrücke aus Lipscani:




































































































































































































































































Und weil ich zu der Zeit gerade ein Buch über Oscar Wilde gelesen habe, mußte ich schmunzeln als ich den Dicken in Bukarest erblickte:























Kunsthändler, High-End-Designer, Cafés und Restaurants waren dicht gedrängt und bei Nacht machen die Straßen sicher einen noch belebteren Eindruck. Es blieb leider keine Zeit die Geschäfte und Lokale mal genauer unter die Lupe zu nehmen, aber ich kann jedem nur empfehlen, die Stadt bei Gelegenheit mal zu besuchen. Allein der Architektur-Mix bietet massenhaft Fotomotive.

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