11/21/2010

Dokumentation: How to make a book with Steidl.















Am vergangenen Wochenende blieb ich nachts zufällig bei einer Wiederholung der 3sat Kulturzeit hängen. Dort wurde ein Film präsentiert, der beim Leipziger DOK Filmfestival die Goldene Taube für die beste deutsche Dokumentation gewonnen hat. Es ging um "How to make a book with Steidl".

Der 88-Minüter von Gereon Wetzel und Jörg Adolph begleitet den Göttinger Drucker und Verleger Gerhard Steidl ein Jahr lang bei seiner Arbeit. Und die ist absolut genial. Für Steidl sind Bücher Kunstwerke, die sich auf eine bestimmte Art anfühlen und den richtigen Geruch haben müssen. Durch seine Zusammenarbeit mit Beuys wurde Steidls ästhetisches Empfinden und der Umgang mit verschiedensten Materialien nachhaltig geprägt. Der Film gibt Einblick in den Arbeitsalltag einer charismatische Persönlichkeit, die ohne Kompromisse und mit unbedingter Hingabe zum Detail so lange an einem Buch arbeitet, bis es einzigartig ist.

Diese Herangehensweise bringt Autoren und Fotokünstler immer wieder in ungewöhnliche Situationen, da Steidl eben eine ganz eigene Vorstellung davon hat, wie man das jeweilige Projekt umsetzen muß. Da fragt man sich oft, wer denn jetzt die künstlerischen Fäden in der Hand hält.

Die Ausschnitte in dem Beitrag haben mich so neugierig gemacht, daß ich diesem Film unbedingt sehen möchte. Steidl ist mein Traumverleger. Mit dieser Doku macht er dem Taschen-Verlag, der bisher meine Hitliste anführte, heftigst Konkurrenz.

Ab dem 1.12. wird der Film im Sterntheater Göttingen gezeigt, weitere Kinovorführungen sollen folgen. Außerdem ist der Streifen demnächst auf DVD erhältlich.

Zum Weiterlesen empfehle ich die Webseite zum Film  und das entsprechende Facebook-Profil, dort werden ständig neue Rezensionen und Aufführungstermine bekanntgegeben.

Wenn ich euch jetzt neugierig gemacht habe, schaut euch den Trailer an:




Und weil es so schön ist, hier noch die offizielle Synopsis zum Film:
Seit vierzig Jahren arbeitet Gerhard Steidl als Drucker und Verleger mit dem Ehrgeiz, jeden Bogen aus seiner Druckerei selbst zu kontrollieren. Dieser Perfektionismus und seine unbedingte Liebe zu Büchern hat sich weltweit herumgesprochen. Nicht nur diese Leidenschaft, auch das gewachsene Ansehen des Fotobuchs als wichtige Erscheinungsform zeitgenössischer Kunst rückten den Steidl Verlag in Göttingen bei vielen renommierten Fotografen in den Fokus. So entstanden Bücher von handwerklicher Vollkommenheit und schlichter Schönheit mit Künstlern wie Robert Frank, Nan Goldin, Richard Serra und zahlreichen weiteren großen Namen.
Einen Teil seiner kreativen Energie verwendet Gerhard Steidl auf die Arbeit mit Karl Lagerfeld und dem Modehaus Chanel, für das er von Einladungskarten bis zu aufwendigen Katalogen vieles druckt. Aber auch Bücher für die IG Metall und jedes neue Werk von Nobelpreisträger Günter Grass laufen durch die Edelpresse in Göttingen. Mit der Druckerei verdient Steidl das Geld, mit dem er ambitionierte Literatur- und Fotokunstprojekte finanziert.
Eines dieser Projekte ist iDubai des New Yorker Fotografen Joel Sternfeld, dessen Entstehungsprozess – von den ersten Entwürfen bis hin zum fertigen Buch – im Film beobachtend begleitet wird. Sternfeld, bekannt als kulturkritischer Fotograf und Pionier großformatiger Farbbilder, wagt sich hier in einen Grenzbereich der Fotografie: Er arbeitet nicht wie sonst mit Profi-Gerät, sondern mit dem iPhone. Für iDubai richtet er seinen Blick auf die Shopping Malls des Emirats und auf „eine Gesellschaft, die gefangen ist in einer künstlichen Innenlandschaft, in Orten aus Hongkong-Spielzeug, Ikea-Regalen, Cartier-Uhren und Hollywood-Blockbuster-Werbung“ (Petra Steinberger, Süddeutsche Zeitung, 23.08.2010).
„Jedes Buch fordert seine individuelle Form, die dem Inhalt entspricht“, sagt Steidl in einem Gespräch, und so suchen Sternfeld und er gemeinsam nach einem Weg, dem Thema und den speziellen Anforderungen der Handy-Fotografie über Bildbearbeitung, Format, Layout und Umschlaggestaltung eine Form zu geben. Konzepte werden erdacht und wieder verworfen, zwei außerordentliche Charaktere treffen aufeinander.
Über ein Jahr hinweg beobachteten Gereon Wetzel und Jörg Adolph den besessenen Büchermacher. How to Make a Book with Steidl zeigt einen Mann in ständiger Bewegung. Oft verlässt er das organisierte Chaos seines Verlags und besucht „seine“ Künstler an ihren Arbeitsstätten auf der ganzen Welt: Ed Ruscha, Robert Adams, Jeff Wall, Robert Frank – Los Angeles, Astoria, Vancouver, Nova Scotia – und das in vier Tagen. „Der Mann, der schneller reist als sein Jetlag“, titelte Alex Rühle in der Süddeutschen Zeitung und lieferte mit seinem Text fast so etwas wie ein Drehbuch. „Eigentlich reise ich nicht gerne, aber was ich hier alles in vier Tagen bespreche, das beschäftigt mich für drei bis vier Monate“, sagt Steidl am Küchentisch von Robert Adams bei Cookies und Organic Tea, bevor er Hals über Kopf mit einem Stapel Vintage Prints (Versicherungssumme 780.000 Dollar) unter dem Arm zu Robert Franks Landhaus nach Mabou aufbricht, wo schon das nächste Projekt und ein paar Käsecracker auf ihn warten.

Zum Abschluß die beeindruckende Biografie Steidls:
Gerhard Steidl, geboren 1950, begann bereits 1967 als Grafiker und Drucker zu arbeiten. Auf einer Ausstellung Andy Warhols 1968 in Köln sprach er den Künstler auf dessen Drucktechnik an, die ihn wegen ihrer Farbintensität faszinierte. In seiner Heimatstadt Göttingen richtete er seine erste Druckerei ein und gründete den Steidl Verlag.
1968 gegründet, ist der Steidl Verlag noch immer konzernunabhängig und in privater Hand. Begonnen hat Steidl mit dem Druck von Grafiken und Plakaten für Künstler wie Joseph Beuys und Klaus Staeck. 1972 erschien das erste Buch Befragung der documenta. 1974 kamen politische Sachbücher hinzu. Anfang der achtziger Jahre folgten Literatur und ausgewählte Kunst- und Fotografiebände. Seit 1996 erscheint im Steidl Verlag ein Fotobuchprogramm mit internationaler Zielrichtung. Von Anfang an hat Steidl „ingesourct“, wo immer es ging, und so eine geschlossene Kette gebildet, die sämliche Schritte von der Arbeit am Manuskript über den Satz und die Gestaltung bis hin zur Druckvorstufe und dem Druck umfasst. In dieser „ganzheitlichen“ Art gibt es dies nirgendwo sonst.
In Deutschland ist der Steidl Verlag seit Jahrzehnten für sein literarisches Programm bekannt. Sein erfolgreichster Autor ist Günter Grass; Steidl verlegt das Werk eines weiteren Literaturnobelpreisträgers, des Isländers Halldór Laxness, ebenso wie die Schriften des Soziologen Oskar Negt und hat Schwerpunkte auf englischsprachiger und deutschsprachiger Literatur. In aller Welt ist Steidl berühmt für seine erstklassig hergestellten Fotobücher. Die bedeutendsten Fotografen der Gegenwart und die wichtigsten Museen kommen, um mit Gerhard Steidl und seinem Team Bücher zu machen.




































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