11/09/2010

Ankündigung: Französische Filmtage.

Bild via Style High Club























*Cinémoi - „das Kino und ich". In cinémoi verbirgt sich auch émoi, was so viel heißt wie Erregung oder Aufregung (die Franzosen sprechen von émoi érotique). Das Wort ist sehr stark und sehr positiv besetzt – émoi ist etwas, was durch alle Fasern des Körpers geht. Auch und gerade im Kino …

Französische Filme heben sich speziell vom Hollywood-Kino oft durch bizarr-versponnene Handlungen, sinnliche und zum Teil pornografisch wirkende Bilder ab. Die Schauspieler sind angenehm ungewöhnlich und die Charaktere bieten viel Platz für Ecken, Kanten und seelische Abgründe.

Auch wenn ich mir in der Vergangenheit schon bei manchen Szenen gesagt habe "ach, die perversen Franzosen", schaue ich ihre Filme sehr gern, denn oft beinhalten sie viel Stoff zum Nachdenken und beschäftigen die Phantasie.

Morgen starten in Leipzig zum 16. Mal die Französischen Filmtage und neben dem von mir bereits empfohlenen Eröffnungsfilm "Visage" gibt es interessante Newcomer und schöne Klassiker zu sehen. Ich möchte jeweils drei vorstellen:

  • J’AI TUÉ MA MÈRE // I KILLED MY MOTHER: Hubert Minel, ein frecher 17jähriger, verabscheut seine Mutter. Er sieht nur ihre altmodischen Pullover, die kitschige Deko und die widerlichen Krümel, die in den Winkeln ihres schmatzenden Mundwerks nisten - und straft sie mit Verachtung. Hinter diesen nervigen Äusserlichkeiten lauern zwei Fertigkeiten, die seine Mutter zu höchster Blüte kultiviert hat: Manipulation und Schuldzuweisungen. Hubert, verwirrt und zerrissen von einer Haßliebe, die täglich mehr Besitz von ihm ergreift, macht eine Adoleszenz durch, die zugleich ungewöhnlich und typisch ist, geprägt von der Selbstentdeckung als Künstler, Offenheit für Freundschaften, Ausgrenzung und Sex. Und immer verzehrt ihn dabei die alles verschlingende Verachtung für diese Frau, die er irgendwie einst liebte...

    Zu sehen im Passage Kino am 11.11. um 19.45 Uhr und am 12.11. um 22:15 Uhr.

  • LES AMOURS IMAGINAIRES  // HEARTBEATS: Francis und Mary sind verschworene Fashionistas und beste Freunde. Eines Nachts begenen Sie Nic, der gerade nach Montreal gezogen ist. Der goldgelockte Jüngling vom Land ist zum Niederknien schön. Mary und Francis knien begeistert nieder - und verfallen von Treffen zu Treffen tiefer dem Gegenstand ihrer schönheitstrunkenen Sehnsucht. Nic hält sich herausfordernd bedeckt. Bald stehen sie am Abgrund eines Liebesduells,das droht,ihre Freundschaft zu zerstören... Der zweite Streich des kanadischen Wunderkinds Xavier Dolan, der vor einem Jahr mit seinem ersten Spielfilm J'AI TUÉ MA MÈRE als gerade Zwanzigjähriger in Cannes alle Preise der Quinzaine abräumte und dann die Festivals weltweit im Sturm eroberte - ein ironischer Schmachtfetzen für Hipsters und ein schwelgerisches Fest für cinephile Sinne!

    Zu sehen im Passage Kino am 16.11. um 22:15 Uhr und am 17.11. um 20 Uhr.

  • BENDA BILILI!: Ricky hat einen Traum: aus Benda Bilili die beste Band von Kinshasa im Kongo zu machen. Roger, ein Straßenjunge, möchte sich unbedingt diesen Stars des Ghettos anschließen, die sich auf ganz besonderen Dreiradkutschen durch die Stadt bewegen. Gemeinsam müssen sie den Gefahren der Straße begegnen, beisammen bleiben und alle Kraft und Hoffnung aus ihrer Musik schöpfen. Fünf Jahre, von den ersten Proben im Freien bis zum Triumph auf den Festivals der Welt erzählt uns BENDA BILILI! ("Anders als es scheint) von einem Traum, der wahr wird...

    Zu sehen im Passage Kino am 11.11. um 22 Uhr und am 14.11. um 17.30 Uhr.

  • ULTIMO TANGO A PARIGI // DER LETZTE TANGO IN PARIS: In einem leeren Zimmer im Herzen von Paris treffen die junge Jeanne und der Amerikaner Paul, dessen Frau sich vor kurzem das Leben genommen hat, aufeinander. Beide wissen weder Namen noch biographische Details voneinander. Sie verlieren sich dennoch schnell in einem Rausch der Sinnlichkeit, den Regisseur Bernado Bertolucci freizügig mit der Kamera einfängt. Für Jeanne sind diese Treffen eine Flucht aus ihrem Leben mit Tom, der sie als junger Filmemacher durch ganz Paris verfolgt, um eine Dokumentation über sie zu drehen.

    Zu sehen in der Schaubühne Lindenfels am 13.11. um 17 Uhr und am 16.11. um 22 Uhr.

  • LE PORNOGRAPHE // DER PORNOGRAPH: Jacques Laurent war während der 1970er Jahre ein innovativer Porno-Regisseur. Nun kehrt er nach langer Abwesenheit ans Set zurück - fühlt sich jedoch ein wenig fremd, da sich nach 20 Jahren fast alles verändert hat: Man arbeitet jetzt mit Video statt mit Film und das Genre hat seinen subversiven Touch verloren. Während der Dreharbeiten kommt es zu Auseinandersetzungen mit seinem erwachsenen Sohn, der radikal für konservative Werte eintritt.

    Ein meisterhafter Film, der hintergründig Fragen nach Liebe und Entfremdung stellt.


    Zu sehen in der Schaubühne Lindenfels am 11.11. um 22 Uhr, am 15.11. um 19 Uhr und am 17.11. um 22 Uhr.

  • À BOUT DE SOUFFLE //AUSSER ATEM: Auf dem Weg nach Paris gerät der Autodieb Michel Poiccard mit einer gestohlenen Luxuslimousine in eine Geschwindigkeitskontrolle. Er erschießt einen Polizisten und versteckt sich bei der jungen Amerikanerin Patricia, die in Paris Zeitungen verkauft und sich das Ziel gesetzt hat, Journalistin zu werden. Während Michel versucht, Geld für die gemeinsame Flucht aufzutreiben, gerät Patricia ins Visier der Polizei und muss sich zwischen ihren Gefühlen und ihrer Karriere entscheiden.

    Mit diesem billig gedrehten Film revolutionierte Jean-Luc Godard die Filmsprache und stellt die Regeln des Film noir auf den Kopf. Der glücklose Kleinkriminelle Michel ist nur eine Parodie des coolen Hollywood-Helden. Und Jean Seberg und Jean-Paul Belmondo zu Stars der Nouvelle Vague.

    Zu sehen im Rahmen des Cinéfête (Jugendfilmfestival) in der Schaubühne Lindenfels am 18.11. um 13 Uhr, am 19.11. um 10 Uhr und am 23.11. um 10 Uhr.

2 comments:

  1. patricia seberg gibt es nicht.
    die schönste der schönen heißt jean seberg.
    ResaRot

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  2. aua, wo kam das denn her?! du hast natürlich recht. so ist das, wenn man das programm kopiert. mir war das so klar, daß es mir gar nicht mehr aufgefallen ist ... peinlich.

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