10/26/2010

Reise: London Aug 2010 - Tag 3. // V&A.


















Seit Wochen wühle ich mich durch die Bilder vom dritten Reisetag und nehme mir täglich vor, das Mini-Tagebuch endlich weiterzuführen, aber es ist einfach zu viel Material. Deshalb habe ich mich jetzt entschlossen, den Museumstag aufzugliedern und nicht in einem Post abzuhandeln. Das schützt mich und euch davor, verrückt zu werden.

Der 30. August war in Großbritannien ein sogenannter Bank Holiday, also ein zusätzlicher Feiertag, an dem Banken keine Geschäfte abwickeln. Ein Großteil der Bevölkerung hat an diesem Tag frei, wie an gewöhnlichen Feiertagen auch. Ich erlitt einen Minischock, als ich kurz vor der Abreise feststellte, daß ich mir für den 4-Tages-Trip ausgerechnet einen Zeitraum mit Bank Holiday ausgesucht hatte. Zum Glück sind Museen von dieser Regelung nicht betroffen, so daß wir den Besuch des Victoria & Albert Museums sowie der Tate Modern auf diesen Tag legten. Ein Mammut-Programm, was jeden Kunstinteressierten an den Rand seiner Belastbarkeit bringen dürfte. Wer diese Museen bereits besucht hat, weiß wovon ich rede.

Das Victoria & Albert Museen ist ein gigantischer mehrstöckiger Bau, der einen eigenen Eingang an der U-Bahn-Station South Kensington hat. In unmittelbarer Nähe befindet sich das National History Museum, sowie das Science Museum, welche beide ebenfalls empfehlenswert sein sollen, ich habe es aber noch nie geschafft, sie zu erkunden.  Ebenso wenig habe ich bisher in alle Räume des V&A schauen können. Es ist einfach zu groß! Man braucht sicherlich mindestens eine Woche um die Ausstellungsstücke in den rund 150 Galerien einigermaßen erfassen zu können.
Im Januar war ich zum ersten Mal im V&A und wußte daher ziemlich genau, was ich sehen und dem Unbeeindruckten zeigen wollte. Zum einen war da natürlich die Fashion-Abteilung, in der mein Fotoapparat beim ersten Rundgang kläglich versagt hatte. Hier hatte ich viel nachzuholen, doch aufgrund des knappen Zeitplans schafften wir es nicht die Sonderausstellung "Grace Kelly: Style Icon" zu besichtigen, die mich natürlich extrem gereizt hatte.

Die Ausbeute des Fashion-Rundgangs werde ich so bald wie möglich in einem gesonderten Post präsentieren.

Das große Highlight für mich waren aber wieder die Cast Courts. Im Januar konnte ich nicht glauben, was ich da sah, denn bis dahin hatte nie davon gehört. Die Rede ist von Gipsabgüssen zahlreicher bedeutender Kunstwerke aus ganz Europa. So blickt zum Beispiel ein gigantischer David auf den Besucher hinab. Auch die Trajansäule, welche so hoch ist, daß sie in zwei Teilen gezeigt werden muß, brachte mich wieder zum Schwärmen.
Die Tradition der Plaster Courts reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück und die Abgüsse wurden meist im Maßstab 1:1 angefertigt. Auf eine Art ist es seltsam sich ein Museum mit Nachbildungen vollzustellen, da es sich hierbei strenggenommen nicht um eigenständige Kunstwerke handelt, sondern um hervorragende Plagiate.Viele der gezeigten Bauwerke und Skulpturen wurden jedoch in den beiden Weltkriegen zerstört, so daß die Nachahmungen fraglos eine Daseinsberechtigung haben.
Ursprünglich dienten die Gipsabgüsse den Bürgern zu Studienzwecken, die nicht über die Mittel verfügten um zu den Originalen zu reisen. So sieht man auch heute in allen Ecken Kunststudenten/-interessierte sitzen, die abzeichnen was das Zeug hält. Im Museum kann man sich zu diesem Zweck sogar Klappstühle leihen.

Jetzt stellt euch vor, ihr lauft mit emotionaler Musik und ganz allein durch diese Räume - über und neben euch starren diese Statuen ins Leere. Das ist beklemmend und erhebend zugleich.










































































































































































Der Unbeeindruckte und die Abgüsse europäischer Kunstwerke:
















Eindrücke aus anderen Räumen:



























































In einem kleinen Raum neben der Theatre & Performance-Abteilung stießen wir noch auf die Sonderausstellung "My Generation: The Glory Years of British Rock". Dort wurden 200 seltene Photographien der britischen Fernseh-Show Top of the Pops gezeigt. Die Bilder entstanden zwischen 1964 und 1973 durch Harry Goodwin, der mit vielen der großen Stars befreundet war. Der Akku meiner Kamera hatte zu diesem Zeitpunkt leider schon aufgegeben, so daß  ich euch leider keinen visuellen Eindruck der Präsentation liefern kann. Der ganze Raum war im 60s-Style des damaligen Fernsehstudios eingerichtet, da hätte man gleich einziehen können.

Die Erklärungstafeln berichteten von witzige Begebenheiten und Zusammenhängen, über die man heute nur noch den Kopf schütteln kann. Aber lest selbst:

Glam Rock was the only musical genre to be created on Top of the Pops.

During the filmed performance Bowie caused shock and horror when he embraced fellow artist Mick Ronson on stage.
When the Beatles were together their performances for Top of the Pops were pre-recorded because of fear of being mobbed by fans if they appeared live.

The 1970s also saw the emergenceof colour TV and the rise of Glam Rock. For the first time, television showed the avant-garde and flamboyant costumes of rock stars in all their glory. On Top of the Pops, Bowie, Elton John and Slade shocked and thrilled the nation in silver jackets and gold catsuits, vivid make-up and androgynous print trousers. Band after band wore increasingly wild and outragous costumes and make-up to the delight of their fans.
Very little of this strutting and important footage remains today.

Ahhh, those were the days!

Ich verbrachte dann bestimmt noch eine ganze Stunde in der Museumsbuchhandlung, die passende Literatur zu allen Ausstellungen anbietet. Dort begeisterte mich das Buch "Dressed: A Century of Hollywood Costume Design". Aufgrund des Preises habe ich den ca. 600 Seiten dicken Wälzer trotz der atemberaubend schönen Fotos und Erklärungen liegen gelassen. Später mußte ich einsehen, daß das auch besser war, denn ich hätte das Monster unmöglich bis zum Ende des Tages tragen können. Die Anschaffung kann ich aber nur empfehlen, zumal der Preis beim britischen Amazon von £50 auf £32 gesenkt wurde.

Hier findet ihr eine sehr ausführliche Rezension und könnt einen Blick ins Innere des Schmuckstückes werfen.  

Gegen 15 Uhr verließen wir das V&A, denn wir wollten uns noch die Tate Modern ansehen. Doch dazu gibt es dann einen kleinen, gesonderten Post.

Zum Abschluß noch ein Blick in die wunderschöne Haupthalle:




3 comments:

  1. Tate Modern kenne ich mittlerweile schon, aber das Victora & Albert Museum muß ich jetzt wohl unbedingt auch mal besuchen. Sieht echt spektakulär aus. Ist der Eintritt da auch für lau?
    Und was ist das denn für eine krasse Lampe da in der Haupthalle (im ersten un im letzten Bild)?

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  2. Ja, der Eintritt ist kostenfrei (außer bei Sonderausstellungen). Man sollte sich unbedingt eine der Maps nehmen, die überall ausliegen. Ohne den Plan verläuft man sich in dem Gebäude. Dafür möchte das Museum gern eine Donation von £1.

    Bei der Lampe handelt es sich laut Wikipedia um einen "10m hohen Kronleuchter aus geblasenem Glas von Dale Chihuly im Zentrum der Rotunda des V&A's Haupteingangs."

    In Wirklichkeit sehr beeindruckend, so organisch...

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  3. wowzer, die fots sind irgendwie viel schicker, als ich sie in erinnerung hatte. nicht übel. da will ich gleich wieder hin, diesmal auch mit stift und malbuch, das scheint nämlich spaß zu machen

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