9/24/2010

Reise: London Aug 2010 - Tag 2.


Am Sonntag ging es bei der London-Tour endlich auf die Märkte. Ob im Norden oder Osten, die teils überdachten Kaufhallen sind ein endloser Inspirations-Quell.

Mit der U-Bahn ging es diesmal zur Liverpool Street. Vorbei an Bankgebäuden und engen Gassen kämpften wir uns den Weg durch den Petticoat Lane Market. Ein Shopping-Tipp ist das nicht, denn die viele Klamotten und Musikstände sind mit "Schnickschnack" am treffendsten zu beschreiben.

Hat man dieses Revier erst einmal hinter sich, geht es auf der Commercial Street bis zum Old Spitalfields Market. Das ist eine große Kaufhalle in der täglich Händler ihre Waren anbieten. Jeder Tag steht hier unter einem anderen Motto. Freitag ist beispielsweise Fashion Day, während am Sonntag Fashion, Food und Furnite bunt gemischt gezeigt werden. Hier findet man zwischen Büchern, Bildern und Brillen viel Handgemachtes: Bedruckte T-Shirts, selbstgebogenen und gefädelten Schmuck, selbstgenähte Taschen, Comics und allerlei anderen Krimskrams.






An einem Stand wurden große Leather Skins in den unterschiedlichsten Farben verkauft. Ich habe mich mit einigen Resten begnügt, aus denen ich in Zukunft Applikationen für Kleider machen möchte.




Wieder zurück auf der Commercial Street geht es über die Fashion Street auf die Brick Lane - DIE Einkaufsstraße im Osten. Auf der Fashion Street gibt es übrigens trotz des klangvollen Namens keine Klamotten. Dafür aber Streetart.






Die Brick Lane ist eine lange Straße im East End und hat vom Hip-Faktor (im positiven Sinn) Camden Town seit einiger Zeit abgelöst. Wer hier wohnt, hat den Touristenstatus verloren: In Shoreditch, Hoxton und Dalston  leben junge Kreative und  Menschen, die aus allen Teilen der Welt gekommen sind und den Culture Clash ausmachen. Das Viertel wirkt wie ein kleines Dorf und ist aufgrund seiner Geschichte hochgradig indisch geprägt.


Besonders Vintage- und Musik-Fans kommen hier auf ihre Kosten. Jeden Sonntag präsentieren unüberschaubar viele Mädels Klamotten und Accessoires jeden Altes und es macht einfach unglaublich viel Spaß sich durch die Angebote zu wühlen.




Weitere Anlaufpunkte sind der Rokit-Store und The Laden Showroom, der Designer führt die noch am großen Durchbruch arbeiten. Dort habe ich im letzten Winter ein tolles Kleid für £24 gekauft. Ein Blick in den Onlineshop lohnt sich schon allein wegen des ausgesprochen hübschen Models, welches einen Großteil der Kleidung präsentiert.


Die Erfüllung meiner Plattenladen-Träume ist Rough Trade. Außer Cds wird massenhaft Vinyl geführt. Neben Literatur und Merchandise findet man dort sogar Kassetten. Ich schätze besonders die kleinen Sticker, die auf jedem (!) Medium angebracht sind und eine kurze Zusammenfassung über den Inhalt liefern. Klappentexte für Musik sozusagen. Da kann man ruhig mal zugreifen, wenn Cover und Beschreibung die Aufmerksamkeit geweckt haben.
Der ganz große Pluspunkt: Indie-/Alternative-Bands oder einfach das Next Big Thing treten zur Veröffentlichung des neuen Albums exklusiv vor kleinem Kreis in dem Laden auf. Die Platte gibt es später in einer Special-Edition zu erwerben, oft mit dem Konzert als Bonus-Disc oder eigens für Rough Trade zusammengestellten Tracks.
In der Photobooth kann man dann noch für £3 die klassichen s/w-Paßfotos als Andenken schießen. 


Nachdem ich mich mit reichlich Musik und einem asymmetrischen Kleid von Public Beware eingedeckt hatte, machten wir uns langsam auf den Rückweg, den wir wollten noch den Stables Market in Camden durchforsten.


Ein Tipp noch zur Brick Lane: Neben Streetstyle-Fotografen sind dort auch häufig Model-Agenten unterwegs (besonders am Sonntag). Frisuren-Modelle werden oft gesucht, wenn sich die Gelegenheit bietet, sollte man zugreifen. Extravaganter Schnitt und tolle Farbe garantiert.





Und das war mein Outfit an diesem Tag:


Camden war am Nachmittag natürlich hoffnungslos überflutet. Aufgrund des hohen Besucherandrangs wird jeden Sonntagnachmittag der Eingang zur U-Bahn-Station gesperrt. 
Neben den Läden auf der Camden High Street öffnen am Wochenende wirklich alle Geschäfte ihre Türen. In jeder noch so kleinen Nische wird etwas angeboten und es geht dort weiter, wo man auf der Brick Lane aufgehört hat. Berge von alten und neuen Klamotten wollen entdeckt werden. Aber es gibt auch Möbel, Musikinstumente, Bücher, Poster, Schallplatten und vieles mehr von dem man noch gar nicht wußte, daß man es braucht. Reizüberflutung pur und vor den verschachtelten Gängen im ehemaligen Pferdehospital muß man irgendwann kapitulieren, die Aufmerksamkeit reicht einfach nicht für alles und am Ende des Tages hatten wir mehrere Kilometer auf dem kleinen Areal zurückgelegt.


Seit Jahren erfreue ich mich immer wieder an der sexuell-aggressiven Mode von Charles of London. Das ist Punkmode, wie sie sein soll: Direkt, laut und "unprofessionell". Vieles davon kann man selbstmachen. Die Prints auf den T-Shirts sind keine echten Prints. Da wurde einfach ein Motiv auf Folie ausgedruckt und dann aufgebügelt. Bei einer Kreation staunten wir nicht schlecht, als wir darauf exakt den Blutfleck entdeckten, den der Unbeeindruckte zur Gestaltung des genagelten Herzens auf der HZI-Postkarte und dem Tourposter benutzt hatte. Tja, das Internet ist eine unendliche Fundgrube. 
Ich griff dann zum zerfetzten und benieteten Hole-Shirt sowie einer Lippenstift-Kette. Einfach süß!


Amy Winehouse ist in ihrer Lieblingshood übrigens auch als Kunstwerk präsent:





Am Abend machten wir noch einen ausgedehnten Spaziergang am Themseufer. Von der U-Bahn-Station Embankment überquerten wir das Gewässer und liefen vobei am London Eye und dem Aquarium bis zur Westminster Bridge.






Vorbei am St. James's Park liefen wir im Dunkeln dann mit einem Umweg über den Buckingham Palast bis zum Trafalgar Square.

Das Bierchen zum Abend nahmen wir dann im World's End, einem total überlaufenen Pub in Camden, ein. Zum gemütlichen Rumsitzen ist es nichts, aber um die Abendunternehmung zu starten genau richtig. Die Musik ist immer gut (aber das muß man in London eigentlich nicht mehr erwähnen) und man trifft viele freundliche Leute. Im Keller befindet sich die Underworld, wo heute hauptsächlich Metal-, Hardcore- und Gothickonzerte stattfinden. Freitag und Samstag ist Discotime, jeweils mit Schwerpunkt auf Indie bzw. Greatest Alternative Hits. Die Bude ist jedes Mal gerammelt voll und das Publikum besteht fast ausschließlich aus Touristen. Die Veranstaltungen sind aber eine super Möglichkeit, sich zu schöner Musik zu bewegen, den aus deutscher Sicht übertriebenen Discokleidungsstil der Mädels zu studieren und viel Spaß zu haben.


And that was it.

1 comment:

  1. Sehr schöne Dokumentation, angenehm geschrieben und sehr eindrücklich, besonders mit den Bildern. Jetzt möchte ich gleich dahin fahren und mir das ansehen.

    keep up the good work

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