9/07/2010

Reise: London Aug 2010 - Tag 1.



Ich hatte ein wenig Geld gespart und so konnte ich am 28. August endlich meinen Sommerurlaub antreten. Zusammen mit dem Unbeeindruckten konnte ich mich in London dem totalen Überreiz hingeben.

Zu Hause hatte ich Tage damit zugebracht ein minutiös geplantes Programm aufzustellen. Der Plan konnte zwar nicht eingehalten werden, weil das Anschauen und Aussuchen eben doch seine Zeit braucht, aber wir haben alle Punkte abgearbeitet; schlapp machen gab es nicht.


In Zahlen ausgedrückt heißt das:

In 3,5 Tagen haben wir ein Mega-Herumlaufprogramm absolviert, den Norden, Osten, Süden und Westen besucht. Unzählbar viele Geschäfte wurden durchwühlt, zwei große Museen an einem Tag durchschritten, kleinere Ausstellungen nebenbei mitgenommen, jeden Abend ein anderes Pub besucht, fünf Bands und einen extrem guten DJ gesehen, dabei jeweils ein Becks getrunken und morgens 8am aufgestanden.

Das Budget von knapp £400 wurde von meiner Seite in vier Kleidungsstücke, eine Fliegerkappe, eine Lippenstift-Kette, drei Paar Schuhe, drei Bücher, zwei Modezeitschriften und zwei CDs investiert.


Wie es dazu kam? Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung.

Gegen 1pm hatten wir unsere Unterkunft in Camden erreicht und konnten endlich das lästige Gepäck abwerfen. Mit der Northern Line fuhren wird zur Tottenham Court Road, wo sich wie zu erwarten nicht endende Menschenmassen durch das beliebte Einkaufsviertel schoben. Das Reisen mit der U-Bahn war eine schöne Abwechslung und die auf den Rolltreppen in kleinen Bildschirmen mitfahrende Werbung machte den Unbeeindruckten ganz happy. Später entdeckten wir auch Poster von Michael Ballack, der für die Vorzüge einer Reise nach Deutschland warb. Wirkte auf mich wenig attraktiv.

Um Geschäfte und Angebote grob zu sondieren, liefen wir die Oxford Street auf der rechten Seite bis zum Oxford Circus entlang. Dabei wurden die ersten interessanten Entdeckungen bei Office, Schuh, Urban Outfitters und Topshop gemacht.

Man merkte sofort wieder, daß die Engländer eine ganz andere Einstellung zu Kleidung im allgemeinen haben. Überall locken Sonderangebote, die Auswahl ist riesig und man findet schicke Sachen in wirklich jeder Preisrange (von extrem billig bis unbezahlbar). Diese erhöhte Bedeutsamkeit und Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem und Unbekannten kann man auch auf Musik und sonstige Kultur übertragen. Selbst in den seriösesten Designerläden läuft alles von fiesem Industrial über inseltypische Gitarrenmusik a la The Kills bis zu versponnener Elektronik von Bat for Lashes. Das trifft auch auf Pubs zu. In der abgelegensten Kneipe kann man sicher sein, daß die Musik immer irgendwie alternativ ist. Schlager, Proll-Hip-Hop oder Mallorca-Melodien muß man sehr intensiv suchen.

Es scheint, als hätte alles diesen speziellen Twist, gespickt mit einer Prise Sperrigkeit und Geschichte. Auch architektonisch ist der Mix aus Alt und Neu eben genau das, was das besondere Flair der Stadt ausmacht. Krumme und schiefe Häuser stehen neben modernen Bürogebäuden und baulichen Meisterleistungen wie den Houses of Parliament oder St. Paul's Cathedral. Stadt und Dorf gleichzeitig.

Diese einmalige Vermischung von Tradition und Moderne erkannten wir auch schnell in den Designs der Bekleidungsindustrie wieder. Ich habe euch einige meiner Lieblingsteile zusammengestellt.

Wedges werden momentan wirklich in allen Formen hergestellt (Sneakers, Ballerinas, Flip Flops und Bikerboots eingeschlossen) und ich ärgere mich, daß ich meine letztes Jahr verkauft habe. Office bietet eine riesige Auswahl.



Gestickte Blümchenmuster habe ich am Sonntag erst wieder auf der Tasche einer Oma gesehen, in London werden damit aktuell auch Kleider und Schuhe verziert.



Bei Schuh stechen die teilweise verkitschten Kreationen von Irregular Choice sofort ins Auge.



Urban Outfitters habe ich bei diesem Besuch das erste Mal so richtig für mich entdeckt. Seit ich das Geschäft vor etwa sechs Jahren in Glasgow für zu teuer befand, habe ich immer einen Bogen darum gemacht. Der Flagshipstore am Oxford Circus beherbergt momentan eine ganze Etage mit Designer-Stücken von Cheap Monday, Peter Jensen, Stine Goya, TBA und vielen anderen. Neben Kleidung komplettieren ausgewählte Bücher, CDs (meist extra für Urban Outfitters zusammengestellt) und witzige Einrichtungsgegenstände das Angebot. Das Label TBA werde ich in Zukunft näher vorstellen.





Nach einem ausführlichen Browsing durch Topshop ging es auf der anderen Straßenseite wieder zurück in Richtung Soho. Bei River Island tätigte ich meinen ersten Kauf: Eine schwarze Fliegerkappe. Bei Nieselregen ist das genau die richtige Kopfbedeckung und ich bin sehr stolz auf meine Investition.

Vorbei am Soho Square liefen wir zur Greek Street um im ältesten Cakeshop Londons die Ausstellung "Bryan Ferry Vs the Jelly Fox" zu sehen. Dort wurde allerdings gerade geputzt, also schlenderten wir weiter zur Shaftesbury Avenue. Die Straße wird auf beiden Seiten von Theatern gesäumt und gegen 8pm waren viele Leute in Abendgarderobe unterwegs um sich die Vorstellungen anzusehen.

Vom Piccadilly Circus aus nahmen wir die Regent Street in Richtung Oxford Circus. Dort reiht sich ein Designershop an den nächsten und man kann u.a. die Schaufenster von Kurt Geiger, Armani Exchange und Burberry bewundern.

Bei einem der exquisiten Geschäfte gefiel mir dieses Farbspiel besonders gut:



Da es noch nicht allzu spät war, gingen wir bis hoch zur Bond Street um dann mit der U-Bahn wieder nach Camden zu fahren. Dort kehrten wir in meinem Lieblings-Musikpub Tommy Flynn's ein, denn es spielten wieder Nachwuchsbands. Wie gewohnt beherrschten die ihr Handwerkszeug, waren aber nicht allzu aufregend. Man fühlte sich gut unterhalten. Als der Unbeeindruckte kurz frische Luft schnappen war, wurde ich sofort von einem Mädel angesprochen, wo ich meine zerrissenen Strumpfhosen herhabe. That's London. Wenn man in Camden unterwegs ist, kann ich das Pub nur empfehlen. Es läuft gute Musik, die Getränkepreise sind moderat und ich habe jedesmal lustige Leute kennengelernt, wenn ich allein rumsaß.


Die Produktfotos stammen von den Webseiten der jeweiligen Stores.



Im Kopf des Unbeeindruckten spielte sich dieser Tag übrigens so ab:

"Was soll ich sagen, das Wetter war besser als bei euch (hab ich mir sagen lassen ... milde 20° mit sonnigen Abschnitten und bis auf den ersten Abend komplett regenfrei), die Unterkunft war okay (also, recht beengt und leider gut belegt und somit nicht gerade leise) und London ist nach wie vor eine absolut beeinruckende Stadt. Der erste Tag (wir kamen nachmittags gegen 1pm im Hostel an, Sachen ausgepackt und rein in's Getümmel) wurde erstmal zum Erkunden der Stadt genutzt. Gut dass die Grande sich mittlerweile im U-Bahnnetz so gut auskennt, dass wir immer schnurstracks durch die Tunnel zur richtigen Bahn gelatscht sind, ohne großartig auf Karten schauen zu müssen. Die Shoppingmeilen sind natürlich gigantisch und waren trotz eines Sonntages und eines montäglichen Feiertages permanent komplett voller Menschen, die irgendwie alle die ganze Zeit shoppen wollten. Am Abend haben wir dann noch einen Abstecher in den gegenüberliegenden Pub gemacht, wo ein paar Nachwuchsbands Krach gemacht haben. Knapp 4,- € für einen Alkopop, okay ... aber es war ein sehr schönes Etablissement, da kann man schonmal mitgehen."

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