8/27/2010

Lebensart: Traditionelle Haararbeiten.



Nein, es geht nicht um Frisuren-Trends. Bei meinem Besuch des Volkskundemuseums Erfurt in der vergangenen Woche entdeckte ich merkwürdige Blumengeflechte, die sich bei näherem Hinsehen als Bastelwerk aus menschlichen Haaren entpuppten.

Diese sogenannten Haararbeiten waren vom Biedermeier bis zum Ersten Weltkrieg beliebter Wandschmuck. Sie wurden - als Zeichen der Liebe und Freundschaft - aus dem Haar von Familienangehörigen gefertigt.

Als Motive dienten Blumenzweige, -kränze und sträuße. Die filigranen Kunstwerke wurden auf Karton oder geprägtes Papier montiert und anschließend gerahmt.



Ich frage mich, mit welchen Werkzeugen/Nadeln und auf welche Weise die Haare miteinander verwoben worden, daß diese plastischen Figuren entstehen konnten. Die feine Handarbeit erfordert sicher viel Geschick und Konzentration. Seit einigen Jahren hebe ich zwar abgeschnittene Haare von mir in einem kleinen Kästchen auf (und bin mir nicht immer sicher ob das pervers ist oder nicht), aber ich kann mir nicht vorstellen, wie man aus diesen widerspenstigen Fäden etwas derartig Komplexes zaubert.





Unter dem Stichwort Trauerschmuck findet man auf Wikipedia noch weitere Aspekte zu den Haarbildern.

Bei meinen Recherchen bin ich außerdem auf das Buch "Haar-Kunst. Zur Geschichte und Bedeutung eines menschlichen Schmuckstücks" gestoßen. Die Autorin Nicole Tiedemann promovierte mit dieser Arbeit an der Universität Bremen. Leider konnte ich das Werk noch nicht anlesen, die Inhaltsangabe macht mich aber neugierig:

"Seit dem frühen Mittelalter sind im nördlichen Europa aus Haar gefertigte Schmuckstücke überliefert. Im ausgehenden 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch Mode an vielen europäischen Fürstenhöfen, wurden Haararbeiten in der Biedermeierzeit mehr und mehr auch im Bürgertum beliebt. Mit dem Rückzug ins Private entstand eine Vielzahl kunstvoll gestalteter Bilder, Ketten, Ringe und Broschen aus oder mit Haaren, die an geliebte Menschen verschenkt wurden oder an sie erinnern sollten. Eingebettet in den literarischen Kontext setzt die Autorin die Haararbeiten in Beziehung zu der in Mythologie, Religion und Volksglaube überlieferten Symbolik: Das Haar zwischen »Ekel und Erotik«, das Haar als Träger von Gefühlswerten und mehr noch als Träger des kulturellen Gedächtnisses. Welche Bedeutung die Menschen damals wie heute ihren Haaren beimessen und was sie beim Anblick der Haar-Kunst-Mode des 19. Jahrhunderts empfinden - auf diese Fragen gibt das Buch eine Fülle von Antworten."


Bild via Amazon.

Auch das Frisörmuseum Eckernförde zeigt neben zahlreichen Objekten rund um das Frisieren imposante Haarbilder unter Glasstürzen.
Ein schöner Grund, den Norden Deutschlands zu bereisen!

1 comment:

  1. Hallo,

    wenn Sie mehr über Haararbeit und
    Haarblumen wissen wollen können Sie mir gerne
    schreiben:
    witzelfriede@gmx.de

    Ich kann Ihnen gerne sagen wie sie solche
    Haarblumen selbst machen können.

    Und es ist nicht pervers !
    Es ist ein Andenken oder Liebesbeweis von
    einem Menschen.
    So haben Sie immer ein Stück von dem Menschen der Ihnen etwas bedeutet
    bei sich, auch wenn er noch so weit weg ist.
    Es ist mehr als ein Foto oder Herz aus Silber oder Gold.
    Denn Sie haben ein Stück dieses Menschen.
    Haararbeiten sind nicht nur kleine
    Kunstwerke, sondern auch etwas ganz Besonderes. !

    Es giebt heute noch Haararbeiter in Europa
    und Amerika.
    Im Internet findet man einige.
    Es werden Tier- und Menschenhaare verarbeitet.
    Sie kann man flechten, hitschen, kleben,
    flechten, nähen, klöppeln, weben usw.


    Viele Grüsse

    Stini

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